Live on stage...

Marduk, Archgoat, Valkyria - 12.12.2018 - Trier

 

Der Mergener Hof in Trier macht endlich scheinbar ernst in Sachen (Extrem-)Metal! Das ist gut und vor allem wichtig für die Stadt und die Region im Allgemeinen. Dafür gibt`s schonmal kräftig Support!

 

Leider verpassen wir die Opener. Franzosen scheinbar, die recht gut geklungen haben sollen, so vernimmt man es. Attic sehen wir dann aber...leider! Denn die Band kommt wie eine Mischung aus Black Metal mit Powerwolf daher, wobei ein Rob Halford-Stimmenklon singt. Sehr merkwürdig das alles, aber immerhin haben Attic heute abend die schönste Bühnendeko mit Aufstellern, Kerzenständern nebst Weihrauch und einem riesigen umgedrehten Kreuz samt Jesus daran. Dafür Daumen hoch! 

 

Daumen hoch auch für Valkyria! Was für eine tolle Band! Toller Sänger, spitzen Gitarristen und sehr gute, melodische Songs, die voll isn Ohr gehen und dort auch bleiben. Die Schweden können gerne wiederkommen!

 

Archgoat sind dagegen nicht mein Ding . Zwar ist der grindlastige Gesang genau mein Ding, aber die Songs der Finnen zünden bei mir irgendwie nicht. Auch tut sich ein Dreier auf der Bühne nie wirklich gut rein optisch. Geht klar, aber brauche ich nicht!

 

Marduk dagegen zeigen, dass sie weder eine tolle Bühnendeko brauchen, noch irgendwelches besonders böse aussehendes Corpsepaint. Die Schweden gehen mit Minimalbemalung im Gesicht, aber maximaler Härte zu Werke und zerlegen den Mergener Hof nahezu! Eine Stunde Brutalität und Satanismus - so muss es sein! Die Panzer Division war in Trier und das merkt man auch noch Tage später! Sehr gut und bitte mehr davon, Mergener Hof!

 

 

Von Paul Seilner



Nightwish - 5.12.2018 - Frankfurt a.M.

 

In der Vergangenheit konnte ich Nightwish bereits zweimal sehen: 2005 auf der "Once"-Tour mit Tarja am Mikro und 2015 schon mit Floor Jansen. Beide Konzerte haben mir nicht wirklich gefallen. Krankt doch ein Nightwish-Konzert vor allem daran, dass das Publikum aus der Generation "40+, gut betucht und von Metal meilenweit entfernt" besteht. Dieses Problem haben auch Within Temptation beispielsweise, doch haben Nightwish noch ein weiteres: Die Band wirkt brutal unmotiviert...

 

65 Euro für ein Nightwish Konzert ohne nennenswerte Supportband! Das ist reine Abzocke. Vor 3 Jahren waren es noch 42 Euro inklusive zweier fantastischer Supportbands mit großem Namen: Amorphis und Arch Enemy! 

Beast in Black sind dagegen Nobodies mit geringem Wiedererkennungswert. Zwar sind die Jungs motiviert, aber wer hört so etwas heute noch? Mir jedenfalls gefällt's nicht.

 

Nightwish gefallen mir immer noch. Zwar konnten sie mich live nie wirklich überzeugen mit Ausnahme von Floor Jansen, die wirklich Gas gibt und stimmlich trotz langer Tour noch stark ist, wenngleich manchmal erstaunlich seltsame Höhenlagen wählt für den ein- oder anderen Song. Aber der Rest der Band wirkt wie eine Bande alter Männer, die nur noch auf das Geld aus ist und eigentlich keine Lust hat zu spielen. Auch ist die Feuer- und Bombenabteilung heute nicht so brachial wie noch bei der letzten Tour. Die Songs von Nightwish sind natürlich über jeden Zweifel erhaben, vor allem weil die Band heute abend ein paar wirklich alte Hits aus der Anfangszeit der Band im Gepäck hat. Aber was nützt dies, wenn nie wirklich Stimmung im konservativ-spießbürgerlichen Publikum aufkommt? 

 

 

Alles in allem viel zu wenig für so viel Geld! Da bringen auch knapp 2 Stunden Spielzeit leider nichts. Schade, aber Nightwish sollten sich auf schön komponierte Alben konzentrieren und das Touren anderen, motivierteren Bands überlassen.

 

 

Von Krishna Ghosh



Watain, Rotting Christ - 20.11.2018 - Saarbrücken

 

Profanatica sind mir bis dato unbekannt, doch macht der Dreier seine Sache als Opener außerordentlich gut. Zwar bin ich kein Fan von Dreierkombos, bei denen auch noch der Drummer singt, aber Profanatica haben einen tollen Retrosound mit viel Hall und der Gesang beschränkt sich fast ausschließlich auf gelegentliche Crowls und einzelne Wörter. So steht die Musik im Vordergrund, was toll ist und außergewöhnlich! Sehr gut! Nur die dummen Anti-Kreuzritter-Outfits hätte es nicht gebraucht...

 

Rotting Christ sind mittlerweile eine Live-Institution. Die Griechen treten mit dermaßen viel Spaß auf, dass man sie einfach nur lieben muss! Auch ist Rotting Christ ein ernsthafter Vertreter des Black Metal und dies trotz der sympathischen Art. Keine Spur von überdeutlich zutage getragener Misanthropie, sondern pure Lebens- und Spielfreude im mediterranen Satanismus. Rotting Christ sind es immer wieder wert, live gesehen zu werden! Auch wenn heute der Mensch am Mischpult leider scheinbar etwas an den Ohren hat, denn Rotting Christ haben in den ersten beiden Songs nur Drums und (leisen) Gesang auf der PA und danach wird es auch nicht viel besser. Schade um die guten Gitarristen...

 

Watain meinen es ernst! Zwar haben die Schweden mächtig einen an der Klatsche, was ja hinlänglich bekannt ist, aber musikalisch und energetisch sind Watain der vielleicht beste Vertreter des Modernen Black Metal! Auf jeden Fall- gemeinsam mit Inquisition und Behemoth- der ernsthafteste Vertreter momentan. Und weil Watain es ernst meinen, bekommt man in den ersten Reihen zum Beispiel eine Ladung Schweineblut ins Gesicht (als erfahrener Veteran stelle ich mich in die hintere Hälfte der gut besuchten Garage in Saarbrücken!), atmet ständig irgendeine grau-schwarze Scheiße ein, die in den Kelchen auf der Bühne am brennen ist und muss sich das Konzert gemeinsam mit Deppen ansehen. Auch besteht die Band aus fünf ekelhaften und unsympathischen Gestalten, ABER dafür bekommt man erstklassig vorgetragenen, kompromisslosen Black Metal allerhöchster Güte geboten. Watain sind hart, brutal, manchmal etwas rotzig-punkig und immer in Bewegung. Überall brennen Feuer und Fackeln, die Bühnendeko ist genial und aufwändig, der Sound super abgemischt und die Spielzeit stimmt auch. Tolles Black Metal-Event für 30 Euro! Danke an die Bands und die Garage in Saarbrücken und Saarevent, die so etwas immer wieder möglich machen! Daumen hoch!!!

 

 

Von Krishna Ghosh



Vader, Entombed A.D. - 9.11.2018 - Trier

 

Der Mergener Hof in Trier macht scheinbar Ernst in Sachen (Extrem-)Metal. Dies ist sehr zu begrüßen, da die Szene in Trier fast tot ist beziehungsweise nur noch im Underground beheimatet. Im Dezember kommen noch Marduk, heute erstmal Vader und Entombed A.D.

 

Infernum aus Holland sind gut drauf, geben Vollgast, aber verdienen maximal das Prädikat "besonders mies". Die geile Stageaction kann nicht den Mangel an Talent überdecken...

 

Ähnliches gilt für Hellavista aus Wien. Der groovig-rockige Sound klingt zwar cool, jedoch hat das Gehampel fast schon Slapstickcharakter. Seis drum, man ist ja schließlich wegen den beiden Headlinern hier.

 

Und die enttäuschen nicht! Entombed A.D. sind super gut drauf und heavy as fuck. Die Schweden überzeugen mit Fannähe, einem brachialen Live-Sänger und rockig-punkigem Old School Death Metal, der wieder einmal beweist, dass die alten Haudegen immer noch live den jungen Hüpfern zeigen, wie es geht! Daumen hoch!

 

Auch für Vader! Die Polen gehen zwar in eine andere Richtung musikalisch, stehen jedoch ihren Kollegen in Sachen Härte in nichts nach! Vader stehen nach all den Jahren auch heute noch für Extrem-Metal von allerhöchster musikalischer Klasse. Dieser kommt zwar etwas unpersönlicher und nicht so herzlich rüber wie bei Entombed A.D., aber hierdurch noch eine Spur dominanter. Sehr gutes Konzert für akzeptable 26 Euro!

 

 

Von Paul Seilner



Unleashed - 3.11.2018 - Otzenhausen/Saar

 

Die Celtic Warriors Otzenhausen veranstalten jedes Jahr ihre "Schlacht um Otzenhausen" und werden von Jahr zur Jahr professioneller. Die Bühne und die PA sind vorbildlich, die Organisation ebenfalls. Nur die Hunnenringhalle im beschaulichen Otzenhausen im nördlichen Saarland ist des Events - und des Headliners - nicht würdig. Lustiger Nebeneffekt der Sporthalle: Der federnde Boden und die Holzwand verstärken den Bass so hart, dass jede Band gleich noch mehr rockt!

 

Snakebite machen nach eigener Aussage "Hard Rock wie in den 80er Jahren". Der ist gut, rockig und lustig. Wer solche Klamotten heute noch on stage trägt, hat allen Respekt der Welt verdient.

 

Was dann passiert, hat es in sich: Die Slaves Under Machine Gods entern mit hammer Sound, ordentlich Wut im Bauch und genialen Songs die Bühne und zeigen, sodass sie nur mehr Mut und mehr Disziplin an den Tag legen müssten, um auf größeren Bühnen aufzutreten und einen größeren Plattendeal an Land zu ziehen. Denn musikalisch und gesanglich sind Slaves Under Machine Gods eine riesen Überraschung! Daumen hoch und fast der Tagessieg, wenn da nicht noch Unleashed wären!

 

Vulture sind zu hoch gerankt im Billing und machen einfach nur Krach auf hohem Niveau. Wobei dieses so hoch dann auch wieder nicht ist, denn was Old School Thrash Metal sein soll, nervt nur mit viel Hall und noch mehr Geschrabbel einer Band, die ihre Instrumente nicht vollends beherrscht!

 

Torture Slave dagegen spielen auf hohem Niveau, aber kleiner Bühne. Mir persönlich eine Spur zu modern, jedoch auf den Punkt genau und gut aufgelegt mit guten Songs im Gepäck.

 

Die Legende lässt sich etwas Zeit, doch als gegen 23.15Uhr dann endlich Unleashed die erstaunlich große Bühne in der Hunnenringhalle betreten, ist schnell klar, wer hier heute abend der Boss ist! Hammer Band, hammer Songs, hammer Sound und das alles mit einer Vehemenz und einer Dominanz, wie sie nur die alten Helden versprühen können! Tolles Konzert inklusive 2 Zugaben - Unleashed wissen, was Fanfreundlichkeit bedeutet!

 

Toll gemacht Warriors! Nächstes Jahr wären die Cannibal Corpse, Sodom oder Insomnium cool, wenn das Träumen noch erlaubt ist! :)

 

 

Von Paul Seilner



Tarja, Stratovarius - 11.10.2018 - Saarbrücken

 

Wenn die Metal-Queen zusammen mit Stratovarius auf Tour geht, wären Gastauftritte einzelner Musiker bei der jeweils anderen Band toll gewesen, jedoch wird uns dies zumindest in Saarbrücken leider nicht beschert. Dennoch wurde ein gutes Konzert daraus - zu einem stolzen Preis.

 

Serpentyne eröffnen heute abend und so recht weiß man nicht, wohin die Band musikalisch will. Eine gute Sängerin, gute Musiker ebenfalls - und dennoch zündet das Ganze nicht. Zu weit gestreut die Einflüsse, zu heterogen der Sound. Esoterik-Käse trifft auf Mitteltermarkt-Gedudel!

 

Ganz anders Stratovarius. Ob man die Musik der sympathischen Finnen nun mag oder nicht, ganz sicher ist sie ohrwurmlastig, gut vorgetragen und mitreißend. Und so hat man das Gefühl, dass die Mehrzahl der Anwesenden heute wegen Statovarius hier sind und nicht wegen Tarja.

 

Denn als die kleine Finnin die Bretter betritt, wirkt die Garage in Saarbrücken bereits leerer und leert sich auch im Laufe der knapp anderthalb Stunden weiter. Doch tut dies der Stimmung keinen Abbruch. 

Tarja begegnet ihrem Publikum wie immer mit sehr viel Respekt und ganz viel Freude an dem, was sie tut. Ihre Band ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben, doch das absolute Highlight ist heute Tarjas Stimme! Wahnsinn wie hoch die Queen of Metal heute singt und dazu glasklar! Die Frau wird immer besser mit zunehmendem Alter! Zu kurz ist das Ganze dann doch und zu teuer mit 40 Euro! Aber ein schönes Konzert dennoch!

 

Von Krishna Ghosh



Primordial, Moonsorrow - 17.4.2018 - Esch/Alzette (Lux)

 

Der Weg einer Freiheit fangen sehr früh an und so verpassen wir fast alles bis auf die letzten beiden Songs. Hart, deutsch, aber eher zu gewollt und modern für mich.

 

Moonsorrow aus Finnland haben ihren ganz eigenen Sound. Die ewig langen, supermelodischen Songs ziehen den Zuhörer in ihren Bann und mit zunehmender Spielzeit werden Moonsorrow heute zum Tagessieger.

 

Primordial-Fans sind fanatisch. Verstanden habe ich das nie so ganz. Klar, die Iren sind toll, vor allem live, aber für mich waren Primordial nie diese Überband, die sie für ihre Hardcorefans sind. Und auch heute sind Primordial anfangs krude, dann immer stärker und am Ende will man mehr davon, aber keine Überband, denn dafür sind viele Songs einfach nicht stark genug. Starkes Konzert insgesamt für 28 Euro mit einer Stunde Moonsorrow und anderthalb Stunden Primordial.

 

 

Von Paul Seilner



Teethgrinder, Optimist, Hellknife, Mindflair - 24.2.2018 - Trier

 

Diesmal ohne Bild, war mein neuester, immernoch seltener, Ausflug ins Underground-Metier ein voller Erfolg! Offenbarte sich doch mit Teethgrinder eine der extremsten und härtesten Bands der letzten Jahre!

 

Mindflair und Hellknife sind mir zu rumpelig und perfekte Beispiele dafür, wieso ich das Undergroundlager gerne meide. Zu punkig, zu unprofessionell, zu belanglose Songs, wenn auch schön oldschool...

 

Optimist aus dem Ruhrpott sind da eine ganz andere Nummer. Die Hardcore-/Death Metal Brutalos sind super gelaunt und hauen ihre Ohrwürmer mit jeder Menge Hass ins Publikum. Dauem hoch!

 

Teethgrinder spielen knapp eine Stunde und treten dabei mit dermaßen viel Power und Hasss auf, dass man sich fragt, was bei den Jungs - außer dass sie aus Holland kommen - nur schief gelaufen ist im Leben. So viel Stageacting auf so wenig Platz habe ich seit Jahren nicht bei einer Band gesehen. Teethgrinder zeigen, dass Grindcore auch heute noch extrem und kompromisslos sein kann und sind daher ein leuchtendes Beispiel für ein ganzes Musikgenre, von dem sich die großen Vertreter (Ausnahme: Cannibal Corpse!) alle eine Scheibe abschneiden können! Die Jungs brauchen einen Deal bei einem Major Label!!! Saugeil!

 

 

Von Krishna Ghosh



Max und Igor Cavalera, Overkill, Insomnium, Deserted Fear - 11.12.2017

 

Max und Igor Cavalera return to roots...da lässt man sich gerne einladen, auch wenn der Ticketpreis mit 40Euro recht hoch ausfällt. Immerhin ist die Tour mit exzellenten Bands gespickt.

 

Deserted Fear aus Thüringen sind sympathisch, haben tolle Songs im Gepäck und präsentieren diese hochmotiviert. Die Jungs haben das Zeug für eine große Zukunft und werden ihren Weg gehen. Sehr gut!

 

Insomnium sind ihren Weg schon gegangen. Die Finnen sind everbody`s darling egal wo sie auftreten. Dessen sind sie sich bewusst und spielen dementsprechend befreit auf. Der Vierer ist auch heute wieder dermaßen stark live mit viel Bewegung auf der Bühne, dass es immer wieder eine Freude ist, ihnen zuzusehen. Das überragende Songmaterial ist ohnehin konkurrenzlos! Hammer! Immer wieder Hammer!!! Und nebenbei der Tagessieg...

 

Overkill mag man - oder man mag sie nicht...ich mag sie nicht! Zwar sind die Amerikaner lustig, ultra stark an ihren Instrumenten und gut gelaunt, aber der hohe Gesang und der irgendwie zu amerikanische Sound nerven schnell. Nichtsdestotrotz ein gutes Konzert, wenn man die Band denn mag.

 

Und dann warten alle auf Max und Igor Cavalera. Und die beginnen sehr unspektakulär und rumpelig mit "Roots bloody roots". Ein enttäuschender Auftakt, doch spielen sich die brasilianischen Brüder und ihre beiden starken Mitstreiter mehr und mehr rein ins Klassikeralbum, das wohl jeder Metalfan kennt. Schade ist nur, dass die beiden es heute versäumen, andere Hits aus alten Sepultura-Zeiten zu spielen, wie z.B. "Territory" oder "Refuse/Resist". Stattdessen gibt es nach der "Roots"-Platte nur noch einmal "Roots bloody roots" im härteren Gewand zu hören und das Motörhead-Cover "Ace of spades"...eine gute Tour insgesamt mit starken Supportbands!

 

 

Von Krishna Ghosh



Testament, Annihilator, Death Angel - 24.11.2017 - Saarbrücken

 

Unter dem Titel "Brotherhood of the Snake" treffen die drei Thrash Metal-Urgesteine aufeinander. Der Gewinner ist hierbei der Fan - so eine geballte Power an Klassikerbands gibt es selten in einer Tour.

 

Schon Death Angel knüppeln von Beginn an los als gäbe es kein Morgen. Spitzen Songs  mit spitzen Stage Acting und dies, als wären die alten Herren noch junge Hüpfer. Was für ein Auftakt! Wer ist hier eigentlich Headliner und wer Support?

 

Gleiches gilt für Annihilator. Die immer stärker werdenden Kanadier um Gitarrengott Jeff Waters sind gut drauf, sehr agil und haben die besten Songs der Bandgeschichte dabei. Super Konzert!

 

Das kann man von Testament heute abend leider nicht sagen. Zwar sind die Jungs um Chuck Billy immernoch eine der besten Livebands überhaupt, was vor allem für Alex Skolnick an der Gitarre gilt (der Mann könnte sofort genauso gut bei Bon Jovi oder Aerosmith spielen und ist der heimliche Star auf der Bühne), jedoch ist die Setlist heute abend nicht annähernd so gut wie vor knapp 2 Jahren. Hinzu kommt, dass ein Gitarrensolo ja klar geht, aber zwei davon, plus ein Drumsolo (oldschool) und ein Basssolo (really?)sind dann doch zu viel des Guten und nehmen dem Auftritt den Drive. Nach einer Stunde und 20 Minuten ist der Spaß vorbei, was etwas schade ist, aber da Testament heute ohnehin nicht ganz in Fahrt kommen, ist dies zu verschmerzen - vor allem angesichts zweier fantastischer "Supportbands"! Geile Tour!!!

 

 

Von Krishna Ghosh



Dying Fetus - 17.11.2017 - Saarbrücken

 

Die Verlegung von der Haupthalle der Garage in den Kleinen Klub ist keine gute Idee. Aufgrund augebliebener Ticketverkäufe zwar nachvollziehbar, jedoch ist der Kleine Klub eng, die Bühne klein, der Sound meist nicht optimal und die Luft schlecht!

 

Seis drum, wenns schonmal Grindcore/Extremmetal zu hören gibt, geht man natürlich hin - zumal wir die Tickets ohnehin schon hatten. Leider verhindert ein Stau auf der Autobahn, dass wir Disentomb noch sehen. Schade, jedoch sagt Human Remains-Gitarrengott Kristoff Rieff, den ich am Eingang treffe, dass es geil war...glauben wir ihm einfach mal. :)

 

Beyond Creation aus Kanada geben gut gelaunt Vollgas auf allerhöchstem technischen Niveau. Mir viel zu verspielt und ohne Ohrwürmer, ist das Gefrickel jedoch gut vorgetragen und weiß zu gefallen. Nur die Gitarren nerven, die die Band verwendet...

 

Dann jedoch kommt Bewegung rein: Psycroptic aus Australien entern mit einer ungemeinen Vehemenz die kleine Bühne, die sofort mitreißt und begeistert. Auch sind die Songs der Jungs allesamt Hits. Irgendwo zwischen Hardcore-Attitüde und Death Metal klingen Psycroptic als wären Slipknot mit einer extremen Portion Hass gepaart worden. Sehr geil und klar auf dem Weg nach oben! Und fast der Tagessieg heute...

 

...aber nur fast! Dying Fetus hauen direkt einen Knaller nach dem anderen heraus und zeigen deutlich, wieso sie in der Szene als Götter verehrt werden. Die Jungs haben ein wahnsinns Timing, sind toll eingespielt und die Songs sind allesamt Ohrwürmer. Ich habe es schon beim Konzert im April betont: So und nicht anders muss moderner amerikanischer Death Metal/Grindcore klingen!!! Leider gibt`s das Gegurgel nur eine Stunde lang bevor das Konzert schon wieder vorbei ist. Ein wenig kurz, auch angesichts 3 hervorragender Supportbands. Schade eigentlich, wenngleich es ein tolles Konzert war!

 

 

Von Paul Seilner



Paradise Lost - 27.9.2017 - Esch/Alzette (Lux)

 

Missionierung in Sachen Metal Nr.2: Ein guter Freund, der eher aus der Rock/Alternative und Punk-Richtung kommt, hört in den vergangenen Wochen verstärkt mit mir daheim Metal. Langsam bis fordernd habe ich ihn an die verschiedenen Sub-Genres herangeführt und nun war es soweit - sein erste Metalkonzert stand an.

 

Dabei könnte es enttäuschender kaum starten: Sinistro aus Portugal sind langweilig und anstrengend zugleich. Eine von Spasmen geschüttelte Sängerin und zu viel Esoterik-Käse für mich zumindest. Wie Björk auf Droge! Immerhin ist die Gitarrenfraktion ok...

 

Pallbearer kommen da schon viel besser bei mir an. Der harte und superb gesungene Progressive-/Doom-Metal/Rock der Amerikaner ist heavy, episch und gerade in den Passagen mit Gesang mitreißend. Ansonsten etwas zu vertrackt im Songaufbau, aber insgesamt ein starker Support!

 

Paradise Lost sind alte Hasen. Man merkt einer solchen Band einfach die Jahre an, die sie schon auf der Bühne steht. Und zwar im positiven Sinne: Von Anfang an stehen die Briten wie die Götter, die sie in der Szene sind, auf der Bühne. Sehr dominant und über jeden Zweifel erhaben. A propos dominant: Nick Holmes Stimme ist gerade in den tief gegrunzten Passagen mit das Beste, was man live zu hören bekommen kann!!! Der Wahnsinn, wie der kleine Mann jede Halle in Grund und Boden brüllen/gurgeln kann! In diesem Bereich einer der besten Sänger überhaupt! 

 

Paradise Lost spielen heute Abend Hits aus allen Zeiten der Bandgeschichte, wobei die alten Songs immer noch am Besten ankommen bei den Fans. Nach anderthalb Stunden ist das ganze leider schon vorbei. Das geht gerade noch so klar bei einem Ticketpreis von 25 Euro, aber einen Preis für Fanfreundlichkeit gewinnen Paradise Lost damit sicher nicht! Dennoch insgesamt ein schönes Konzert - findet auch mein Kumpel, für den es nicht das letzte Metalkonzert bleiben wird. Mission erfolgreich! :)

 

 

Von Krishna Ghosh



Saarmageddon Open Air - 23.6.2017 - Saarwellingen/Saar

 

Das Saarmageddon geht in die zweite Runde und hat endlich eine dauerhafte Heimat gefunden in Saarwellingen. Das neue Gelände ist mitten im Wald gelegen, furztrocken und staubig, aber hat einen gewissen Charme. Vor der Einzelkritik jedoch einige Worte der allgemeinen Kritik: Das Bonsystem ist veraltet und untransparent, die Anzahl der Dixis lächerlich und es gibt nicht einmal einen einzigen Wasserhahn, kein Klopapier und keine Möglichkeit sich die Hände zu waschen! Das ist mehr als schwach und nicht zeitgemäß!

 

Hinzu kommt, was noch schwerer wiegt, der erneute Beweis dafür, dass der Organisation die Professionalität fehlt und man sich im nächsten Jahr unbedingt Hilfe in diesem Bereich holen muss: Die angepeilten Spielzeiten sind Makulatur wie im letzten Jahr, da die Umbauzeiten zu lang sind (sowas ist heute nicht mehr nötig-Veranstaltungen wie das Party San Open Air zeigen, dass dies viel besser geht!), was wiederum Bandausfälle zur Folge hat. Im vergangenen Jahr waren es Devildriver (2 Songs!), dieses Jahr sind es Entombed A.D.,die komplett ausfallen...dabei sind einige gerade wegen dieser Band heute am Start in der Staubwüste von Saarwellingen!

 

AC Angry rocken was das Zeug hält und erinnern nicht von ungefähr an AC/DC und Airbourne. Nicht schlecht für eine kleine Band aus Saarbrücken!

 

Thundermother beeindrucken erst einmal optisch: Zwei der vier Schwedinnen sind sehr schön anzuschauen und auch vom Sound her überzeugen die leicht angekifft wirkenden Mädels. Tolle Sängerin und ein guter ohrwurmlastiger Gig! Daumen hoch!

 

Steak Number Eight sind zwar laut und motiviert, aber der brummelige Sound ist so gar nicht mein Fall und das ganze ist mir dann doch zu weit von Metal entfernt. Auch die Songs zünden bei mir zumindest gar nicht. Schade...

 

Majesty sind erstmal eines: Lächerlich! :) Wer macht heute noch so überzeugt so eine Musik??? Wenn man den True Metal-Schock einmal überwunden hat, merkt man jedoch, dass Majesty gute Songs mit gutem Aufbau und gutem Sound im Gepäck haben. OK...wenn man denn so etwas hören will!

 

Endlich Death Metal denke ich mir - aber dann wird bekannt gegeben, dass Entombed A.D. heute nicht spielen werden! :/ Enttäuschend...und ärgerlich!

 

Es folgen mit Kadavar und Red Fang (spielen die eigentlich überall?) zwei Bands, die mit ihrem Stonder-Rock den Geschmack des Publikums auf dem Saarmageddon zu treffen scheinen, jedoch zu verspielt sind und ebenfalls weit entfernt von Metal anzusiedeln sind. Beides nicht mein Fall, wenngleich gut.

 

Und dann kommt endlich Bewegung rein: Iced Earth geben sich die seltene Ehre und überzeugen auf ganzer Linie! Die Amis sind in Spiellaune, geben Songs aus allen Zeiten der Bandgeschichte zum Besten, Sänger Stuart ist ein fantastischer Live-Sänger und füllt die alten Klassiker mit Leben! Und so entlassen Iced Earth nach etwas mehr als einer Stunde die zufriedenen Fans mit "Watching Over Me" in die Nacht. Großartig!

 

Großartig ist auch immer wieder aufs neue der gute, alte Mille von Kreator! Der Schreihals ist immer hochmotiviert, schön aggressiv und somit die perfekte Verkörperung des knüppelharten Thrash Metal der Band! Dass alle Hits von "Phobia" bis "Violent Revolution" am Start sind, ist dabei schon beinahe selbstverständlich. Abgerundet wird der Auftritt des würdigen Headliners durch allerhand Feuer und Konfettikanonen und einer Spielzeit von anderthalb Stunden! Sauber!!!

 

Letztes Jahr wünschte ich mir Skeletonwitch, Sodom und als Headliner Nightwish! Vielleicht wird es ja im nächsten Jahr dazu kommen. Die Organisation muss besser werden, genau wie die Infrastruktur!!! Und der Härtegrad darf ruhig etwas höher ausfallen - dann wird das Saarmageddon 2018 ein voller Erfolg! Das muss es auch, denn die Region braucht ein gutes Metal Open Air!!!

 

 

Von Krishna Ghosh



Hatebreed, Dying Fetus - 18.4.2017 - Saarbrücken

 

Heute habe ich etwas zur Völkerverständigung und zur Integration beizutragen, denn niemand geringeres als mein Kumpel Mohammad, ein syrischer Flüchtling begleitet uns auf das Konzert. Seines Zeichens völlig ahnungslos, was Metal überhaupt ist und völlig jungfräulich, was Live-Konzerte angeht! :)

 

Eröffnet wird der Abend von einer Band aus Saarbrücken, deren Namen ich wieder vergessen habe, die allerdings neben solidem Death Metal auch coole T-Shirts("Make Saarland brutal again"!) am Start hatten.

 

Dying Fetus zeigen der Garage, Mohammad und der Szene allgemein, wo der (Live-)Hammer hängt! So und nicht anders muss moderner Death Metal/Grindcore klingen! Heavy as fuck und mit Granatensongs. Daumen extrem weit hoch!!!

 

Hatebreed schlagen dann natürlich eine ganz andere Richtung ein. Viel fannäher und direkter, viel dicke Hose, aber niemals unsympathisch - das sind Hatebreed! Die Jungs um Sänger Jamie Jasta sind gut drauf, sorgen sich um jeden, der im Pit unter die Räder kommt(die Band unterbricht einen Song und erkundigt sich nach dem Wohlbefinden des Geschädigten, macht eine Ansage zum Thema "Passt auf euren Nächsten auf!" und gibt dem Geschundenen ein "Mosh-Timeout", wie sie es nennen! Sehr geil!) und spielen alle Hits von "I will be heard" bis "Live for this". Wenn jetzt nicht die Spielzeit von einer Stunde und 15 Minuten wäre, wäre alles in Ordnung. Immerhin haben sie mit Dying Fetus eine exzellente Supportband im Gepäck, was den Ticketpreis von 29 Euro gerade noch so ok erscheinen lässt. Gutes Konzert insgesamt - findet Mohammad auch! :)

 

 

Von Krishna Ghosh



Tarja - 15.3.2017 - Esch/Alzette (Lux)

 

Tarja durfte ich schon einmal live singen hören/sehen bei ihrer letzten Tour mit Nightwish im Jahre 2005. Damals hat mich ihre Gesangsleistung nicht überzeugt, auch wenn Nightwish natürlich hammer Songs am Start hatten, damals wie heute.

 

Skinflint aus Afrika sind echte Exoten und doch wissen sie ordentlich zu rocken. Nicht ganz mein Ding, aber auf jeden Fall gut als Anheizer.

 

My Own Ghost aus Luxemburg überraschen. Die Songs sind echte Ohrwürmer und so jagt ein Hit den nächsten. Mir persönlich viel zu platt und radiotauglich, aber definitiv auf dem Weg nach Oben.

 

Tarja ist heute super gelaunt, sehr gut bei Stimme und sehr redebedürftig. Die Band legt dabei mit zwei Songs des neuen Albums los, das sehr rockig daherkommt und heavy. In der Mitte des Konzerts gibt es einen Break und Frau Turunen und die Jungs nehmen vorne auf der Bühne im Halbkreis Platz und spielen bekannte Songs wie „I walk alone“ mit Akustikinstrumenten. Schön ruhig und innovativ. Dennoch ist bei den meisten Stücken von Tarja zu bemängeln, dass sie einfach nicht ins Ohr gehen. Im Gegensatz zu Tuomas und Nightwish schreiben Tarja und ihre Band einfach keine guten Songs. Hier wird viel kompositorischer Aufwand betrieben, aber dieser führt zu vertrackt-komplizierten, schlicht unlogischen Tracks. Und so verwundert es nicht, dass der beste Song an diesem Abend das Nightwish-Cover „Ever Dream“ ist...

 

Seis drum, Tarja macht das Singen Spaß, sie ist die wohl beste Sängerin im Metalbereich und das auf eine sehr fannahe Art und Weise. Hinzu kommt eine Spielzeit von einer Stunde und 55 Minuten. Das passt! Gutes Konzert!

 

 

 

Von Paul Seilner



Pro Pain - 14.12.2016 - Esch/Alzette (Lux)

 

Dieser Blog wird langsam zum lästigen, aber dennoch nötigen Dauergemotze über Spielzeiten. Auch das eigentlich tolle Konzert von Pro Pain leidet unter diesen Makel erheblich...doch erst einmal der Reihe nach:

 

The Last Wanted aus Belgien eröffnen den Abend und erinnern stark an Sick of it All. Die Songs sind nicht der Brüller, jedoch geben die Jungs ordentlich Gas und sind sehr agil auf der Bühne.

 

Undivided aus New York haben ein Problem: Die Haudegen sind doch teilweise sehr in die Jahre gekommen und geben sowas von überhaupt kein einheitliches Bild auf der Bühne ab, dass es fast schon drollig wirkt, die Amerikaner anzusehen. Auch bewegen sie sich eher weniger, aaaaaaaaaber: Undivided sind heavy as fuck! Die Songs sind sehr stark, erinnern leicht an Biohazard, die Musiker sind mehr als fähig und so überraschen Undivided heute alle und werden zu recht gefeiert. Geil!

 

A propos feiern: Leider ist die Kulturfabrik heute nicht einmal zur Hälfte gefüllt, was schade ist, feiern doch Pro Pain ihr 25-jähriges Bestehen. Und sie haben wieder einmal eine außergewöhnliche Supportband dabei: Komah knüppeln wie Hölle und geben dermaßen Vollgas, als gäbe es kein Morgen. Mir persönlich viel zu modern, wenn auch schön metallisch, klingen Komah wie eine Mischung aus Heaven Shall Burn, Devildriver und,Shadows Fall mit sehr guten Songs. 

 

Dann endlich entern Pro Pain die Bretter und erscheinen von Anfang an als die Götter des New York Hardcore, die sie ja auch sind. Die Jungs um Gary Meskil sind in allerbester Spiellaune und haben ausschließlich Hits im Gepäck. Die dauergroovende, alles niederwalzende Dampflok stoppt erst, wenn Pro Pain die Bühne wieder verlassen...und leider, ja leider ist dies heute bereits nach einer Stunde und fünf Minuten der Fall! Eine solche Spielzeit ist ein schlechter Scherz, auch mit drei Supportbands, auch für nur 23 Euro Ticketpreis!!! Sehr schade, denn Pro Pain selbst überzeugen als die beste Hardcoreband der Welt, doch was nützt dies, wenn man die Fans zum Narren hält mit einer lächerlichen Spielzeit? Schade...

 

 

 

Von Paul Seilner



Böhse Onkelz - 22.11.2016 - Frankfurt a.M.

 

Ein Onkelz-Konzert ist etwas ganz Besonderes. Die Atmosphäre, die vom ersten Ton bis zum Ende des Konzerts herrscht, ist einmalig. Jeder der Anwesenden kennt von jeden Song der Onkelz wirklich jedes Wort - und grölt dieses auch lautstark mit! Daher muss man ein Onkelz-Konzert auch mit ganz eigenen Maßstäben bewerten... 

 

Ich persönlich höre die Onkelz eigentlich seit über 10 Jahren nicht mehr. In den vergangenen beiden Jahren durfte ich bei den schon heute legendären Wahnsinnskonzerten am Hockenheimring erleben, dass die Onkelz nach ihrer Reunion besser denn je sind und ein unfassbares Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Diesen Eindruck wollte ich auch endlich einmal wieder bei einem Hallengig bestätigen und was läge da näher als ein Konzert der Onkelz in ihrer Heimatstadt?

 

Die Vagabundos de Lujo spielen Coversongs auf zwei Akustikgitarren ohne Gesang. Lustig, technisch beeindruckend, aber unnötig!

 

Beasto Blanco werden mal eine große Nummer - versprochen! Die Amerikaner sind heavy und agil, die Songs sind allesamt Ohrwürmer und der Leadgitarrist ist genial! Daumen hoch, auch für die Onkelz, die wieder einmal eine talentierte Band gefunden haben!

 

Um kurz vor neun entern die Onkelz dann endlich die Bühne mit "Gott hat ein Problem", dem Opener des neuen Albums - keine gute Idee! Denn die neuen Songs interessieren die Fans nicht die Bohne. Ausnahme:"Auf die Freundschaft".Und so wechseln sich stets ein neuer Song mit einem alten Alltime-Klassiker ab, was die Stimmung immer wieder vom Keller durch die Decke sausen lässt und wieder zurück.

 

Hinzu kommen unübersehbare Probleme der vier Jungs aus Frankfurt: Kevin ist kurzatmig und nicht gut bei Stimme heute abend. Kein Vergleich zu seiner kräftigen Gesangsleistung aus den vergangenen beiden Jahren am Hockenheimring - und die Tour hat gestern erst begonnen. Gonzo, obwohl wieder einmal genial an der Gitarre, spielt öfter mal den falschen Ton und stimmt sein Arbeitsgerät heute nicht immer richtig, was zu absurden Tonhöhen führt bei dem ein- oder anderen Song. Pe dagegen ist die Enttäuschung des Abends, denn der Drummer hat immer wieder und speziell bei den neuen Songs krasse Timingprobleme...kurz: Es scheint als hätten die Jungs nicht genug geprobt im Vorfeld!

 

Ein Wort zur Bühne: Ja, auch in diesem Jahr ist die Bühne spektakulär, wenn auch logischerweise kein Vergleich zu den hochhaushohen Aufbauten der letzten beiden Jahre am Hockenheimring. Die Bühne besticht durch viel Licht und viele Leinwände, die sogar an der Bühnendecke entlanglaufen und gute 25 Meter in die Halle und damit über die Fanmassen hineinragen. Aber neben dem Licht hat die Bühne erstaunlich wenig Schauwerte zu bieten - kein Feuerwerk, keine Bomben! Nightwish haben bewiesen, dass man auch in einer Halle ein Feuerwerk abbrennen kann!

 

Was besonders bitter aufstößt heute abend, ist die Spielzeit, denn die Onkelz gehen nach nicht einmal zwei Stunden wieder von der Bühne nach den viel zu obligatorischen "Mexiko" und "Erinnerung". Und das ist viel zu wenig für 70(!!!) Euro! In den vergangenen Jahren war der Eintrittspreis ebenso hoch, jedoch durch die fantastische Bühne nebst Pyros und Bomben und vor allem durch eine Spielzeit von drei Stunden und fünfzehn Minuten mehr als gerechtfertigt. Heute ist er dies nicht! Zwar ist das Meckern auf allerhöchstem Niveau, aber ein Onkelz-Konzert MUSS mit seinem eigenen Maßstab bewertet werden - und dabei versagen die Onkelz heute leider!

 

 

Von Krishna Ghosh



Inquisition, Rotting Christ - 10.11.2016 - Esch/Alzette (Lux)

 

Die Kulturfabrik in Esch/Alzette tischt heute einen besonderen Kulturabend auf: Inquisition und Rotting Christ haben geladen - da kommt man doch gerne. 

 

Schammasch aus der Schweiz eröffnen den dunklen Reigen und sind erst einmal vor allem eines: Langweilig! Doch dann entwickelt sich mit zunehmender Spielzeit ein ganz eigener Sog, der durchaus zu gefallen weiß - auch wenn mir persönlich der Drive bei dem Ganzen fehlt. Gut, aber nicht mehr!

 

Mystifier aus Brasilien dagegen zeigen der Kulturfabrik, was Metal bedeutet: Das Trio knüppelt super gelaunte und heftigste (Black-)Metal-Granaten auf das Volk, welches dies auch herzlichst mit viel Applaus kommentiert. Geile Songs, gesanglich ok, aber musikalisch allererste Sahne...und all das in einem Gewand, wie es nur aus Südamerika kommen kann. Hammer!

 

Rotting Christ haben endlich ihren Stil gefunden. Die Band um Frontmann Sakis erstaunt in jeder Hinsicht. Nach den ersten drei, vier Songs reibe ich mir die Augen und frage meine Begleiterin, was denn hier los sei!? Die Griechen sind kaum wiederzuerkennen und sind dermaßen dominant, dass man ihnen wünscht, dass es demnächst doch noch zum lange verwehrten Ruhm kommt. Toll vorgetragen, musikalisch und energetisch auf höchstem Niveau und heavy as fuck! Daumen hoch!

 

Inquisition sind immer ein Erlebnis. Egal wie oft man das Duo sieht, man ist immer wieder erstaunt, welch genial-bombastische Klangwelten Dagon und Incubus auf die Bühne zaubern können. Zu keiner Zeit vermisst man einen Bassisten oder eine zweite Gitarre. Die Songs der Amerikaner sind eh über jeden Zweifel erhaben- sphärisch, brutal, mit spitzen Gesang/Gemurmel und einem der besten Drummer in diesem Bereich. Inquisition sind (neben Watain) der wohl ernsthafteste Vertreter des Black Metal unserer Zeit und machen dabei auch noch jede Menge Spaß. Nach einer Stunde und fünfzehn Minuten ist das Spektakel leider schon vorbei, was aber angesichts einer einstündigen Show von Rotting Christ und zwei hervorragender Supportbands total in Ordnung geht bei 23 Euro Ticketpreis. Ein toller Abend mit einem super Preis-Leistungs-Verhältnis! Mehr davon bitte!

 

 

Von Krishna Ghosh



Behemoth - 21.10.2016 - Esch/Alzette (Lux)

 

Zunächst einmal ist es keine wirklich gute Idee, 2 Veranstaltungen gleichzeitig in der Rockhal stattfinden zu lassen. Behemoth spielen im kleineren Club, während Ben Harper (wer isn des eigentlich?) in der Main Hall spielt. Der Clash der Kulturen an der Biertheke ist lustig, die völlig überfüllte Vorhalle fast schon gefährlich.

 

Behemoth haben zwei sehr gute Supportbands am Start heute abend - Secrets of the Moon und Mgla. Die Deutschen haben mich bereits auf dem Party San 2015 nicht überzeugen können und tun es heute auch nicht. Sphärisch sind die Songs der Jungs zwar, aber leider auch langatmig und zäh.

 

Mgla dagegen sind die Überraschung des Abends. Die Krakauer sehen verdammt cool aus und klingen auch so: Eine Mischung aus Immortal/Abbath und Samael mit wahnsinns Songs. Dabei kommen Mgla ohne jede Mimik aus (die Jungs treten mit vollvermummten Gesichtern und Kaputzen auf). Diese Band wird mal ganz groß, da bin ich mir sicher!

 

Behemoth sind schon groß und treten auch so auf. Frenetisch gefeiert und dies auch zu recht: Hammer Songs(vor allem in der zweiten Hälfte des Konzerts), hammer Sound und das immer mit einer gewissen Ernsthaftigkeit. Dennoch werden Behemoth nicht mehr meine Lieblingsband - zu viele Vollgaspassagen und ich persönlich mag Nergals Stimme nicht wirklich. Hinzu kommt eine lächerliche Spielzeit von einer Stunde und fünfzehn Minuten, was Hohn und Spott gegen die Fans ist! Punkt! Da helfen auch super Supportbands und eine energiegeladene Show nichts!

 

 

Von Paul Seilner



Grau, Carn Dum, Frostland, Human Remains - 15.10.2016 - Trier

 

Normalerweise sind Underground-Konzerte nicht mein Ding. Zu mies ist der Sound, zu schwach die Bands oftmals. Da Freunde jedoch heute einen Auftritt hatten, ließ ich mich zu einem der seltenen Ausflüge ins (vermeintliche) Amateurlager bewegen.

 

Grau haben heute im kleinen Exil die CD-Releaseparty ihres ersten Albums. Getreu dem Bandnamen findet das Konzert nahezu im Dunkeln statt, jedoch klingen Grau auch ohne dass man viel sieht ziemlich gut. Black Metal mit schön hohem Gesang, modern und atmosphärisch.

 

Carn Dum aus Saarbrücken beeindrucken erst einmal vor allem durch ihr Äußeres. Die Band gibt mit den Tüchern vorm Gesicht ein sehr einheitliches Bild ab. Der Sound ist atmosphärisch, die Songs gut, wobei deutsche Texte nicht mein Fall sind. Jedoch klingen Carn Dum ein wenig an Fäulnis - auch wenn ich die Paganeinlagen persönlich nicht gebraucht hätte. Gut!

 

Frostland aus Köln spielen dem Flyer nach Black Metal, sind für meinen Geschmack jedoch eine Mischung aus Black-und Death Metal. Sehr geile Songs und stark gesungen!

 

Dann geschieht etwas Überraschendes. Human Remains entern mit einer solchen Vehemenz die Bühne, die ich zuletzt bei den Cannibal Corpse sehen durfte. Das Stageacting ist hoch motiviert und professionell und die Lokalmatadore haben wahnsinns Songs im Gepäck und reißen mit ihrem Grindcore-lastigen Death Metal fast das kleine Exil in Stücke. Bis auf einen neuen Song, der nicht so recht zum Stil der Truppe passen will, sind Human Remains musikalisch und gesanglich von allerhöchster Güte. Dominanz pur und in dieser Form definitiv für WESENTLICH größere Bühnen gemacht!!!

 

 

 

Von Krishna Ghosh



Testament - 20.8.2016 - Saarbrücken

 

Obwohl früh am Abend ist die Garage voll bis unters Dach um 19 Uhr. Godslave geben von Anfang an Vollgas, überzeugen mich persönlich jedoch nicht. Zumindest anfangs, denn mit zunehmender Spielzeit werden die Songs besser und am Ende kann man den Auftritt als gelungen bezeichnen.

 

Testament zeigen jedoch, wer der Herr des Hauses heute abend ist und legen los, als gäbe es kein morgen. Erst nach fünf Songs macht Chuck Billy die erste Ansage des abends und die prall gefüllte Garage liegt ihm und der Band zu Füßen. Testament beweisen heute abend, wieso sie Götter in der Szene sind (nicht zuletzt wegen Alex Skolnick an der Gitarre) und die Fans zeigen, wieso sie diesen Status bis ans Ende ihres Schaffens behalten werden. Bis auf zwei neue Songs spielen Testament heute abend nur Hits aus den älteren Zeiten ihres Bestehens. Besonders "Deciples of the watch" und "Into the pit" lassen die Garage erbeben. Saugeil, auch wenn es heute etwas ZU laut ist - und ich mag sehr laute Konzerte!

 

Auch wenn ich mich wiederhole und auch wenn es langsam lästig wird: 2 Stunden Spielzeit sollten meiner Meinung nach Standard sein und anderthalb Stunden wenigstens das absolute Minimum, wenngleich eigentlich schon zu wenig - jedoch sind weniger als anderthalb Stunden eine echte Frechheit! Und so gehen Testament heute abend nach einer Stunde und 20 Minuten von der Bühne...und dies ist klar zu wenig für knapp 30 Euro! Schade, denn Testament gehören live zum Besten, was man sich ansehen kann! 

 

 

 

Von Krishna Ghosh



Saarmageddon - 29.7.2016 - Saarbrücken

 

 

Die erste Auflage des Saarmageddon, eines Rock- und Metal Open Air Festivals an der Saar, ist trotz kleinerer Mängel in der Organisation des Festivals ein voller Erfolg geworden. Einzig die Entscheidung, Powerwolf zum Headliner auf dem Messegelände zu machen, ist eher schwer nachzuvollziehen. Doch zunächst zur Einzelkritik:

 

Valient Thorr durften leider doch nicht spielen, da der Beginn des Festivals zu nah am Einlass lag und kaum Menschen auf dem Gelände waren zu jener Zeit, also startet das Saarmageddon mit Bullet: Oldschool in jeder Hinsicht, von den Klamotten bis hin zu den Frisuren, und mit einem quietschig-hoch-singendem Verrückten am Mikro, wissen Bullet zu gefallen. Der ideale Start in ein solches Festival!

 

Peavy kann einfach nichts falsch machen. Der Riese ist ein unglaublicher Sympathieträger und selbst, wenn man kein Fan von Rage ist, muss man doch konstatieren, dass Rage diesen Status im Metal voll und ganz verdient haben. Außerdem sind die Songs der Band große Klasse!

 

Armored Saint waren mal ein wichtiger Teil der Szene. Und die Songs der Amerikaner sind stark und auch sehr gut gesungen heute, jedoch auch langweilig vorgetragen und irgendwie nicht mehr zeitgemäß.

 

Destruction sind total genial. Endlich Musik, deren Härtegrad meinem Geschmack entspricht! Und Schmier und seine Mannen geben ordentlich Gas von Beginn an. Toller Auftritt mit den besten Songs des Trios ("The Butcher strikes back")!

 

Devildriver brauchen fast eine ganze Stunde bis sie die Bühne entern. Scheinbar haben sie ihre eigenen Tonleute mitgebracht und so dauert der Soundcheck ewig. Dann hauen die Jungs (bei miesem Sound) zwei Songs raus und verlassen die Bühne wieder! Unfassbar, denn manche Menschen haben extra wegen Devildriver den Ticketpreis von 45 Euro gezahlt. Wieso das Festival nicht kurzfristig nach hinten verlängert werden kann und Devildriver nicht wenigstens eine halbe Stunde spielen können, wissen einzig und allein die Veranstalter und Devildriver selbst! Unglaublich...

 

Seis drum, Skindred legen jedenfalls los wie die Feuerwehr und haben die Menge sofort im Griff. Völlig belanglos zwar und ohne jede Substanz, aber die Botschaft aus Liebe, Toleranz und Freiheit reißt die Meute sichtbar mit. Und Skindred leben dies auch - die Band tritt einen Teil ihrer Spielzeit an Valient Thorr ab, die erst mächtig rocken, und dann wieder Skindred ans Werk lassen. Lustig und konsequent...ein einzigartiger Auftritt!

 

Airbourne sind in ihrem Bereich eine der besten Livebands des Planeten! Und dies zeigen sie auch heute in Saarbrücken wieder einmal: Eine Playlist, die ausschließlich aus Hits besteht und eine Band, die abrockt, als gäbe es kein morgen. Großartig!

 

Im Gegensatz zu Powerwolf. Zwar profitieren die Lokalmatadoren enorm von der tollen Bühne und den Pyros beziehungsweise den Feuerfontainen, jedoch sind die Songs von Powerwolf seltsam einfach gestrickt, noch dazu schwach gesungen und dabei überaus dämlich in ihren Texten. Ein schwacher Headliner insgesamt von einem ansonsten tollen Festival!

 

Hoffen wir, dass es im nächsten Jahr eine zweite Auflage des Saarmageddon geben wird, dann bitte ohne das nervige Bonsystem und vielleicht ja sogar mit Skeletonwitch, Sodom und Nightwish als Headliner! :)

 

 

 

Von Krishna Ghosh



Death Shall Rise Open Air - 2.7.2016 - Trier

 

Angeblich wegen der schlechten Wettervorhersage und dem ebenfalls schlechten Ticketvorverkauf wurde am Morgen der Veranstaltung ebendiese von der tollen Sommerbühne nach innen ins große Exil und den Balkensaal verlegt. Wenig nachvollziehbar und im Endeffekt etwas traurig, wenngleich das Death Shall Rise auch dieses Jahr durch eine tolle Bandauswahl geprägt war und gerade im Exil die Stimmung noch ein wenig dichter ausfällt als draußen.

 

Kaum angekommen, müssen wir Mindflair im Balkensaal sehen. Ja müssen, denn die Jungs aus Kaiserslautern sind zwar ambitioniert, aber total unfähig. Gerumpel von der Basis ohne den Sinn fürs Songwriting.

 

Optimist aus dem Ruhrpott dagegen lassen das Exil erbeben. Etwas zu modern, aber mit viel Power und Wut vorgetragen, ist der Mix aus Detah Metal und Hardcore der ideale Weckruf für das Death Shall Rise 2016. Sehr geil!

 

Sehr geil sind auch Deathrite! Mehr als das: Die Death/Grind-Riffmonster sind neben den beiden Headlinern die Gewinner des Festivals! Was für ein genialer Sänger! Ich hoffe die Jungs haben einen Vertrag mit einem Majorlabel...

 

Genau wie Fleshcrawl...ultra geil!

 

Conan sind der absolute Schrott! Nervig gesungen und keine guten Songs. Vielleicht liegt`s an mir, aber ich halte die Band für überschätzte Amateure.

 

Grave waren einer der Gründe, warum ich auf das Death Shall Rise gegangen war, jedoch überzeugen mich die Schweden heute nicht vollends. Sehr dominante Vorstellung mit guten Songs, aber irgendwie recht routiniert...

 

Im Gegensatz zu Entombed A.D.: Auf dem Party San 2014 gefielen mir die Schweden nicht, heute dagegen sehr. Sehr viel Nähe zum Publikum, sehr geile Songs, toller Sound und eine nie enden wollende Mauer aus brutalsten Death Metal-Perlen sorgen dafür, dass die Spielzeit von rund einer Stunde viel zu schnell vorbei geht. Daumen hoch für Schwedenstahl der allerhöchsten Güte!

 

Danach stehen wir vor einer sehr schweren Entscheidung: Asphyx oder das EM-Viertelfinale gegen Italien? Wir entscheiden uns für beides: Zunächst geht`s zu den punkig-thrashigen Holländern. Dann sehen wir uns die 2. Halbzeit des Spiels auf großer Leinwand im Balkensaal an, dann wieder runter zu Asphyx und zum Ende der Verlängerung und dem Elfmeterschiessen wieder vor die Leinwand. Wir feiern mit den Deutschen den Halbfinaleinzug und gehen für die Zugabe wieder zu Asphyx, die heute sehr geschwätzig und gelöst wirken. Die alten Männer zeigen aber auch nach fast 30(!)Jahren jeder jungen Detah Metal-Band, wo der Hammer hängt! Großartig vorgetragen, geniale Songs, fast 2 Stunden Spielzeit...Asphyx sind der erwartete Oberhammer und ein würdiger Headliner!

 

Fraglich ist, ob es im kommenden Jahr eine dritte Auflage des Death Shall Rise Open Airs geben wird. Dies liegt zum einen an der nicht existenten Trierer Metalszene und zum anderen an der dilettantischen Organistation des Festivals. Monatelang steht "Weitere Top-Acts und ein Headliner in Kürze" auf der Seite, jedoch passiert nichts. Die Facebook-Seite ist noch erbärmlicher: Am Morgen die Verlegung des Festivals ins Innere des Exhaus bekannt zu geben, grenzt schon an mutwillige Täuschung. Und wenn sich dann Fans mürrisch zeigen in den Kommentaren, zeugen die patzigen Antworten der Verantwortlichen nicht im geringsten von Professionalität! Schade, denn jeder der den recht hohen Ticketpreis von rund 40 Euro zahlt, um Death Metal zu supporten, hat wenigstens eine zuvorkommende oder zumindest neutrale Behandlung bzw. das Interesse des Veranstalters zu erwarten...

 

Für all dies können die Bands nichts und diese sind bis auf wenige Ausnahmen über jeden Zweifel erhaben! Tolle Bands mit toller Einstellung und wahnsinns Lust aufs Spielen...von dieser Seite ist das Death Shall Rise tadellos! 

 

 

Von Krishna Ghosh



Fortarock Open Air 2016 - 5.6.2016 - Nijmegen/Holland

 

 

Zum vierten Mal in Folge ging es zu  Eintagesfestival in Holland, nur dass das Fortarock mittlerweile kein Eintagesfestival mehr ist: Die Veranstalter ließen sich die Idee einer Art Pre-Day einfallen und wer wollte, konnte für nur 10 Euro mehr (bei den Early-Bird-Tickets) am Vortag des eigentlichen Festivals Bands wie Gojira, Legion of the Damned oder Within Temptation sehen. Da der Goffertpark und Nijmegen selbst jedoch nicht wirklich zum Campen einladen, ist diese Idee meiner Meinung nach unnötig - entweder ein echtes 2-Tages-Festival oder man bleibt beim bewährten Konzept des hochwertigen Eintagesfestivals.

 

Wir selbst waren nur am Haupttag da, weswegen ich über die Bands des ersten Tages nichts sagen kann. Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass die Veranstalter wie immer ein tolles Festival auf die Beine gestellt haben, dass in Sachen Organisation und Preis-Leistungs-Verhältnis seinesgleichen sucht. Super Gelände, friedliche Fans, perfekter zeitlicher Ablauf, tolle Bandauswahl: Kurz, das Fortarock ist das perfekte Festival für einen Tag. Die Kritikpunkte sind rar gesäht und es ist meckern auf hohem Niveau: Die Preise für Essen und Trinken sind zu hoch, das Munten-System nervt und die Runningorder lässt keine Sekunde zum Verschnaufen. Zwar sind Umbaupausen sonst nervig, aber beim Fortarock fängt die eine Band auf Bühne 2 an zu spielen genau in dem Moment, in dem die andere Band auf Bühne 1 gerade aufgehört hat. Toll organisiert, aber man hat eigentlich keine Zeit, auch mal etwas essen oder trinken zu gehen oder gar die Toilette aufzusuchen. Der größte Kritikpunkt ist die erneut kleinere Hauptbühne: Wie im letzten Jahr ist diese nicht so imposant wie noch 2013 und 2014, es fehlen die Videowände links und rechts und die PA ist etwas schwach auf der Brust - auch da die zusätzlichen Boxentürme, die im hinteren Feld emporragten ebenfalls wegrationalisiert wurden.

 

Zum Musikalischen, dem Herzstück des Fortarock: Da wir bei der Anreise auf der Autobahn eine Vollsperrung wegen Unfall hatten, konnten wir leider Fleshgod Apocalypse nicht mehr sehen. Jedoch kamen wir gerade rechtzeitig zu Suicidal Tendences. Angeblich mit Dave Lombardo an den Drums, gefallen mir die Amis immernoch nicht besonders. Zu punkig klingt der Hardcore bei ihnen, zu lahm sind die Songs. Das Drumming hat mich jetzt auch nicht überzeugt - ob Lombardo wirklich an den Drums saß, kann ich nicht sagen, da ich zu weit weg stand.

 

Zum dritten Mal sehe ich die Schwarzmetaller von Dark Funeral nun und mit dem dritten Sänger. 2012 mit Nachtgarm am Mikro auf dem With Full Force Open Air, 2013 mit Legende Emperor Magus Caligula auf dem Summerbreeze und nun mit Heljarmadr als Sänger. Und ich muss sagen, der neue Mann am Mikro scheint keine Lust auf den Job zu haben. Gesanglich in Ordnung, war seine Performace bestenfalls lethargisch. Insgesamt hauen mich Dark Funeral heute nicht um.

 

Im Gegensatz zu Amon Amarth. Die Schweden werden irgendwie immer besser. Perfekt aufeinander eingespielt und mit Hitgranaten a la "Death in fire" oder "Valhall awaits me" im Gepäck, überzeugen der dauergrinsende, super gelaunte Johan Hegg und seine Mannen auf ganzer Linie. Spitze!

 

Spitze sind auch Abbath! Die neue Band der namensgleichen Immortal-Legende ist geil aufs Spielen und reißt das brechend volle Zelt förmlich ab. Abbath selbst ist lustig wie immer, grimassiert für Szenenaupplaus und legt sich mit den Tonleuten an("Motherfucker"). Am Ende spielen Abbath dann sogar noch 3 Immortal-Nummern("One by one","In my kingdom cold","Tyrants"). Großartig und nebenbei die Sieger des Festivals!

 

Dave Mustaine ist ein selbstverliebter Affe. Seine Band Megadeath rockt zwar sehr ordentlich, jedoch nervt Mustaine mit der ein- oder anderen arroganten Ansage. Seis drum, auch wenn der Wuschelkopf die Töne heute nicht immer richtig trifft, ist allein schon "Symphony of destruction" es wert, Megadeath live zu sehen.

 

Obituary sind in Spiellaune. Zwar übertreiben es die Jungs etwas mit den Instrumentalpassagen heute, jedoch ist das Stageacting dabei so geil und motiviert, dass es eine Freude ist. Das nächste Mal dann aber bitte nicht auf Bühne 3, sondern auf der Main Stage.

 

Disturbed hatte ich bis dato noch nie gesehen und war entsprechend gespannt auf die Amerikaner und ihre Live-Performance. Jedoch wurde ich bitter enttäuscht: Zwar singt David heute sehr klar und kraftvoll und trifft dabei immer die Töne, jedoch ist der Sound nicht heavy genug und die Songauswahl bis auf wenige Klassiker lahm und voller Coverversionen, die teils sehr eigenwillig sind. Dem Publikum in Nijmegen gefällts dennoch, mir so gar nicht! Godsmack haben letztes Jahr an gleicher Stelle gezeigt, wie moderner US-Metal klingen muss, Disturbed haben das nicht verstanden. Schade!

 

King Diamond gibt auf Bühne 2 die ganz große Horrorshow zum besten, wobei der Gesang oft total neben dem richtigen Ton liegt. Die tolle Bühnendeko und eine geniale Band mit sehr fähigen Musikern entschädigen dafür allemal - und der Meister selbst ist per se schon gruselig. Daumen hoch!

 

Auch für Eluveite. Die Mittelalter-Knüppler rocken gewaltig, auch wenn diese Musik nie mein Fall sein wird. Die Bühne 3 war heute nie so von Menschenmassen umringt wie jetzt gerade, was zeigt, welchen Stellenwert sie in ihrer Szene mittlerweile haben.

 

Den Stellenwert des Headliners dürfen heute Volbeat ausfüllen. Und das tun sie von Anfang an mit bester Laune, vielen Hits, Feuerwerk und Feuerfontainen...und vor allem mit einem richtig fetten Sound, der heute zum Glück sehr metallisch und heavy ist. Als Volbeat hier vor 3 Jahren als Co-Headliner von Rammstein antraten, war das nicht der Fall, doch heute überzeugen mich die Dänen auf ganzer Linie! 

 

Hoffen wir also für 2017 auf eine ähnlich gute Bandauswahl mit eventuell einem Knaller (Metallica?) als Headliner und genauso tollem Wetter wie in diesem Jahr. Dann werde ich auf dem Fortarock das 5-jährige Jubiläum feiern.

 

 

Von Paul Seilner



David Duchovny - 8.5.2016 - Esch/Alzette (Lux)

 

David Duchovny alias Fox Mulder alias Hank Moody macht mittlerweile auch Musik. Die Chance, einen TV-Helden meiner Jugend, dessen Serien "Akte X" und "Californication" ich heute noch liebe und die zu den besten Serien überhaupt gehören, live sehen zu können und singen zu hören, ist ein Privileg.

Als Supportband hat Duchovny einen schwarzen Sänger namens Isaac dabei, der von einem Gitarristen und einem Schlagzeuger begleitet wird. Das Trio macht ordentlich Stimmung, spielt allerdings nur Coversongs, jedoch ist Isaac derart gut bei Stimme, dass es eine Freude ist, ihm zuzusehen und zuzuhören. Die gute Laune hat er auch noch als ich ihn später im Publikum wiedertreffe.

 

David Duchovny ist ein Unikat. 56 Jahre alt mittlerweile, jedoch kommt er rüber wie 36! Ein spleeniger Typ, der trotz aller Eskapaden immer die Kunst beherrschte, sympathisch zu sein und ewig jung zu bleiben. Steht man Duchovny gerade einmal fünf Meter entfernt gegenüber, so ist er genau dieser schluffig-kauzige, ultrasympathische Typ, den man erwartet. Leicht hüftsteif in seinen Tanzbewegungen und mit unglaublich schlechter Gesangsstimme - doch nimmt man ihm das nicht übel. Die Songs sind nur teilweise gelungen ("Save me a place at the bar";"If less is more, what are you waiting for?"), die Band, die David Duchovny dabei hat, spielt mit viel Freude und besteht aus sehr fähigen Musikern, die Spielzeit von knapp 2 Stunden geht voll in Ordnung...und David Duchovny ist die coolste Socke der TV-Geschichte - auch live auf der Bühne! Musikalisch kaum der Rede wert - und dennoch irgendwie stark und sehr witzig!

 

 

Von Krishna Ghosh



My Dying Bride - 3.4.2016 - Saarbrücken

 

My Dying Bride durfte ich bereits im vergangenen Jahr als Co-Headliner auf dem Party San Open Air sehen und für gut befinden. Daher wollte ich mir die Chance nicht entgehen lassen, in meiner Heimat mehr als die seinerzeit 50 Minuten von den Briten hören zu dürfen.

Supportband Oceans of Slumber fallen erst einmal optisch auf: 4 Headbanger und eine schwarze Sängerin - die Jungs und das Mädel sehen nicht aus wie eine Band aus Texas!:D Auch wirkt alles leicht behäbig und lahm, wenngleich toll gesungen und mit guter Gitarrenarbeit! Das "Knights in white satin"-Cover am Ende ist jedoch ein toller Schlusspunkt!

 

My Dying Bride sind eine jener Ausnahmebands, die immer eine Daseinsberechtigung hatten und diese Stellung bis heute inne haben. Sänger Aaron taumelt zwischen tiefer Melancholie und unbändiger Wut, die Gitarrenfraktion ist perfekt aufeinander eingespielt und Pianist/Violinist Shaun ist vor allem an der E-Geige derjenige, der neben Frontmann Aaron immer wieder für Gänsehaut sorgt.

Zwar startet die Band in der ersten Hälfte des Konzerts recht ruhig mit cleanem Gesang, steigert dann aber deutlichst den Härtegrad und knüppelt sich gegen Ende in einen Rausch, der mit Gothic Metal weniger zu tun hat, sondern eher mit Death Metal, was mir persönlich sehr entgegen kommt...

 

Rund eine Stunde und 45 Minuten spielen My Dying Bride heute - das geht in Ordnung bei einem Ticketpreis von rund 28Euro. Daumen hoch für Trauer, Agonie, Melancholie und unbändige Wut! Daumen hoch für My Dying Bride!

 

 

Von Paul Seilner



Nightwish - 16.12.2015 - Esch/Alzette (Lux)

 

Obwohl ich seit einigen Jahren den härteren Klängen zugeneigt bin, sind Nightwish nach wie vor bei mir ganz hoch im Kurs, waren sie doch in den letzten 15 Jahren eine der wichtigsten Inspirationsquellen für mich. Zwar lege ich die CDs der Finnen mittlerweile eher selten in den Player, dennoch begreife ich mich auch heute noch als Fan der Band.

 

Vor mehr als 10 Jahren (im Februar 2005!) hatte ich Nightwish das erste und bislang einzige mal live gesehen, damals noch mit Tarja. In den Jahren nach Tarjas Rausschmiss wurden teils schwache ("Dark Passion Play"), teils passable ("Imaginarium") Platten veröffentlicht und erst der Abschied von der unsäglichen Heulboje Anette Olson und der Einstieg von Floor Jansen machten Nightwish für mich wieder interessanter. Und nun konnte ich mir endlich live ein Bild davon machen, ob Nightwish ein reines Bandprojekt von Tuomas mit wechselnder Besetzung am Mikro sind, wie ich es vermutet habe, oder ob die Band mehr ist als eine große Geldmaschinerie.

 

Nightwish bringen für rund 40 Euro nicht nur eine Spielzeit von 2 Stunden mit, sondern auch zwei große Namen als Supportbands: Amorphis und Arch Enemy! Daumen hoch dafür!!!

Amorphis waren nie wirklich meine Band und werden es auch nicht mehr werden, jedoch gefallen mir die Finnen heute klar besser als bei dem Co-Headlinerauftritt auf dem Summerbreeze 2013. Die Songauswahl ist einfach gelungener und so heizen Amorphis der immer wieder genialen Rockhal ordentlich ein.

 

Arch Enemy hatte ich noch nie gesehen. Der Wechsel der Frontfrau tut der Band gut: Alissa ist genauso dominant wie Angela, dabei agiler und eher etwas fürs Auge als ihre Vorgängerin. Allerdings ist sie auch affiger und gewollt böse in ihren großen Gesten, fast schon nervig- und die "Schulterpolster" erinnern ein wenig an die Jungs von Dark Funeral oder auch an Danny Filth. Abseits der Frontgrunze hat Arch Enemy als Band erstaunlich wenig zu bieten. Die Songs sind langweilig und nervtötend, jagt doch ein Break das nächste, immer wieder unterbrochen mit misslungenen Soli! Kaum vorzustellen, würde am Mikro ein typischer, langhaariger 100-Kilogramm-Hühne stehen oder wäre die Sängerin 15 Jahre älter und schwergewichtig...dann wären Arch Enemy allenfalls eine Randnotiz. Eine Bande unfähiger Musiker, die keine Songs schreiben können! Daumen hoch für die Stimme von Alissa, Daumen runter für den Rest dieser viel zu hoch dotierten Band!

 

Um kurz vor 10 entern dann endlich Nightwish die Bretter. Die Bühne ist erst einmal ein wenig ernüchternd: Ein großes Drumkit in der Mitte, rechts eine Art Mini-Erd-Geysir für Troy und seine lustigen Instrumente, links Tuomas mit seinen Keys und einem kargen Baum, der aus der Bühne zu wachsen scheint, im Hintergrund Leinwände. Irgendwie hatte ich eine spektakulärere Bühne erwartet, mit Laufstegen und Erhöhungen...jedoch braucht die riesige Floor Jansen diese überhaupt nicht. Und bis auf Emppu ist ohnehin kaum Bewegung auf der Bühne zu verzeichnen. Aaaaaber: Die Finnen haben allerhand Pyrotechnik mitgebracht und die(!) überzeugt auf ganzer Linie! Feuerfontainen, Strobo-Feuerwerk, das sich teils sogar dreht und von der Bühnendecke nach unten rieselt bzw. von unten nach oben saust in kleinen Bällen, Sprühregen und vor allem: Bomben! Jawoll!!! Sehr geil!

 

Bei allem Brimborium kommen Nightwish jedoch anfangs nur schleppend in Gang: Mit zwei Songs des neuen Longplayers "Endless forms most beautiful" zu starten ist keine gute Idee! Der Sound ist glasklar, jedoch ist die Gitarre nur zu erahnen und so klingen Nightwish vor allem bei den neuen Songs fast poppig! Und dabei fällt auch auf, dass Jukka an den Drums schmerzlich vermisst wird. Zwar macht Ersatz Kai seine Sache sehr ordentlich und knattert präzise wie ein Uhrwerk, jedoch ist sein Drumming seelenlos und monoton! Fast könnte man meinen, ein Drum-Computer sorge für den Rhythmus!

Seelenlos trifft den Auftritt insgesamt irgendwie (auch wenn dies vielleicht etwas hart ist), denn Nightwish lassen- wie auch schon 2005- die Nähe zu den Fans und die Begeisterung für das, was sie tun, vermissen! Mit einer Ausnahme: Floor Jansen! Die Holländerin ist mittlerweile nicht mehr wegzudenken und ist ihrer Vor-Vorgängerin Tarja in jeder Beziehung überlegen: Floor ist die bessere (Live-)Sängerin, die bessere Entertainerin, sie strahlt mehr Freude aus und hat die Halle viel besser im Griff. Das Problem ist nur- noch eine Parallele zu 2005- dass die Halle größtenteils aus Ü45-Menschen besteht, die mit Metal aber auch gar nichts zu tun haben. Das Problem mit dem Publikum haben nicht nur Nightwish, sondern auch Bands wie Epica und Within Temptation, aber dafür kann die Band ja nichts.

Dass Nightwish aus dem Metal kommen zeigen sie im Laufe der 2 Stunden mit alten Krachern wie "Stargrazers"(Floor kann es ja doch! Toller, klarer, hoher Gesang!) oder auch "Ghost Love Score", auch wenn die ganz großen Hits an diesem Abend fehlen: Wo waren "Wishmaster", "The Kinslayer", "The Phantom of the Opera" oder auch "Dark Chest of Wonders"? Da nützt auch eine schwache "Nemo"-Version nichts. Die Setlist enthält einfach zu viele Rohrkrepierer! Versöhnlich stimmt dann die letzte Viertelstunde mit "Last Ride of the Day" und "The Greatest Show on Earth", die mit viel Feuer und einem Knall ("We were here") zu Ende geht und die Fans in der Rockhal nach 2 Stunden Spielzeit zufrieden zurücklässt! 

 

Ein gutes Konzert mit einem wahnsinns Preis-Leistungs-Verhältnis, drei tollen Sängern und jeder Menge Schauwerte! Jedoch auch ein unterkühlt- durchkomponiertes Event von Nightwish, das zuweilen etwas seelenlos wirkt!

 

 

Von Krishna Ghosh



Annihilator - 3.11.2015 - Luxemburg

 

Annihilator hatte ich vor 2 Jahren schon einmal gesehen. Damals in Mannheim und noch mit Dave Padden als zweitem Sänger. Heute also die Tour in Luxemburg-Stadt. Mit im Gepäck haben die Kanadier zwei starke Supportbands- aber erst einmal der Reihe nach:

Archer kommen aus der legendären Bay Area und klingen auch so. Launiger Old School Thrash-Metal mit sehr guten Songs und drei gut gelaunten Amis. Das halb gefüllte Atelier belohnt das mit viel Applaus. Gut!

Harlott aus Australien sind noch eine Spur besser. Optisch passen die Jungs nicht ganz zusammen(Ein Headbanger, eine Glatze, ein Emo-Scheitel, einmal Kurzhaar), dafür aber musikalisch umso mehr. Irgendwo zwischen Kreator, Exodus und Slayer knüppeln die Jungs gut gelaunten Metal in die Meute. Klasse!

 

Annihilator machen wie immer alles richtig. Jeff Waters kann mit seiner neuen Truppe zwar nicht auf einen genialen Co-Frontmann wie Dave Padden bauen, dafür steht der alte Mann endlich einmal mittig auf der Bühne. Sein Gitarrenspiel ist ohnehin der Blickfang bei jedem Konzert. Als Sänger taugt Waters zwar auch anno 2015 nicht sehr viel, aber dafür überzeugen die Killerriffs der Band doppelt. Hinzu kommen launige Ansagen von Waters, geniale Soli, die er zwar selbstverliebt, aber niemals arrogant zum Besten gibt und eine Spielzeit von knapp zweieinhalb Stunden!

 

Ich habe es hier in meinem Blog in der Vergangenheit ja schon oft angemerkt und bemängelt, aber was manche Bands sich in Sachen Spielzeit herausnehmen ist eine Frechheit! Und Annihilator zeigen auch heute noch wie es früher war und wie es auch eigentlich immer noch sein müsste bei jedem Konzert von jeder Band: Eine Spielzeit von mindestens 2 Stunden ist Pflicht meiner Meinung nach! Daumen hoch für 2,5 Stunden Annihilator!!! Sehr geil!

 

 

Von Paul Seilner



Solstafir - 27.10.2015 - Wiesbaden

 

Solstafir überzeugten mich bei ihren Co-Headliner-Auftritt am ersten Tag des PartySan Open Airs 2014 bereits vollends. Ich kannte die Band bis dato gar nicht und war beeindruckt von der kühlen Dominanz der Isländer.

Nun also die Headliner-Tour mit der heutigen Station in Wiesbaden. The Ocean eröffnen den Abend und sind mir persönlich eine Spur zu "Emo". Jedoch haben The Ocean passable Songs und eine hübsche, junge Dame am Cello, was die Band von anderen Alternative/Emocore-Bands abhebt.

 

Mono sind die zweite Band des Abends und als die Jungs und das Mädel ihren Soundcheck machen, bin ich zu voreilig mit meinem Urteil:"Ohjee...Japaner. Die sind immer verrückt!" Verrückt sind Mono auf alle Fälle, aber die Band ist vor allem eines: Genial! Eine Band ohne Sänger, mit sitzenden Gitarristen und faszinierenden Klangwelten...so etwas habe ich live noch nie gesehen und es ist beeindruckend, wie Mono fast jeden Song mit nur einem einzigen Ton beginnen, um dann in einem klirrend-lauten, fesselnd-melodischen Bombast zu enden. Klasse!

 

Klasse ist auch Solstafir. Zunächst zündet die Musik der isländischen Waldschrate nicht vollends, da Mono einfach noch nachwirken, jedoch schaffen es die verrückten Isländer, mit ihren tollen Songs, den Schlachthof auf ihre Seite zu ziehen. Und am Ende ist dies sogar so geil, dass man am Liebsten gar nicht mehr weg will und dem Klanggewitter von Solstafir die ganze Nacht lauschen möchte...wenn da bloß nicht die lächerliche Spielzeit des Hauptacts wäre! Eine Stunde und 15 Minuten und schon ist Schluss! Ich habe es schon mehrfach bemerkt: Anderthalb Stunden scheinen der Standard zu sein heutzutage, jedoch ist dies zu wenig- vor allem angesichts der hohen Ticketpreise! Und NOCH weniger, wie im Fall von Solstafir, ist eine Frechheit!

Ein tolles Konzert mit einer fantastischen Supportband, jedoch auch mit einem sehr schalen Nachgeschmack!

 

 

Von Krishna Ghosh



Apocalyptica - 25.10.2015 - Luxemburg

 

Apocalyptica hatte ich vor fast 20 Jahren einmal gesehen, damals noch ohne Schnickschnack wie einen Drummer oder einen Sänger. Einfach nur vier verrückte Finnen, die ihre Cellos (Celli?) malträtieren. Seit einiger Zeit sind es ja nur noch 3 verrückte Finnen, aber das tut dem Spaß ja keinen Abbruch...

 

Heute ging es also ins ausverkaufte- und damit prall gefüllte Atelier nach Luxemburg-Stadt. Mit dabei war diesmal ein Ehrengast: Meine liebe Mama! Ihres Zeichen 62 Jahre jung, Fan von Rockmusik und Klassik, dabei durchaus offen für Heavy Metal. Somit war Apocalyptica die logische Konsequenz...

 

Tracer sind ein typischer Support aus Australien: Laut, lässig, lustig, rockig- oben ohne und bierseelige Ansagen inklusive. Nicht (mehr) mein Fall, aber die Jungs haben gute Songs im Gepäck.

Der Bruch zu Apocalyptica ist danach sehr hart. Aber das ist wohl immer so, egal wer Supportband ist bei den Finnen. Diese drei Jungs, nebst Drummer, sind gut drauf, grinsen um die Wette und spielen wie immer so professionell, dass man schon die Kritikpunkte mit der Lupe suchen muss: Da wäre die Spielzeit, die mit nicht einmal anderthalb Stunden wieder mal zu kurz ist, was heute leider der Standard zu sein scheint, aber meiner Meinung nach (ich werde nicht müde, es zu betonen!) viel zu wenig ist- vor allem für 36 Euro. Und dann könnte man noch bemängeln, dass Apocalyptica mit Sänger, auch wenn dieser durchaus sehr gut gesungen hat, nicht mehr dieses Alleinstellungsmerkmal haben. Bis in die letzte Konsequenz zündet der Funke bei mir zumindest heute Abend nicht ganz...

Mehr kann man aber auch wirklich nicht kritisieren. Der Drummer passt super zur Band und knüppelt präzise was das Zeug hält, die drei Streicher spielen sich teilweise in einen Rausch aus Heavy Metal, die Klassiker wie Master of Puppets oder Refuse/Resist knallen wie sau und man merkt der Band an, dass sie Spaß hat an dem, was sie da tut. Und das ist das Besondere heute abend: Das ist etwas, was NUR Apocalyptica tun können- eine Ausnahmeband, die diese Bezeichnung auch wirklich verdient hat! Sehr gut!

 

 

Von Krishna Ghosh



Cannibal Corpse - 11.8.2015 - Trier

 

Da Cannibal Corpse auf dem Party San schon so genial waren, nahmen wir die Gelegenheit war, nur 3 Tage später in Trier auf der Sommerbühne des Exhaus`zum kleinen Preis ein kleines "Party San Revival" zu starten.

Carnifex sind modern und hart. Und gu gelaunt, was die Stimmung von Anfang an hoch hält. Gefällt mir persönlich nicht, geht aber in Ordnung.

Cannibal Corpse gehen auch in Ordnung! Ganz anders als vor 3 Tagen auf der großen Bühne des Party San Open Airs hat man hier nicht die Distanz zur Menge und geht dennoch mit uneingeschränkter Brutalität zu Werke. Super- immer wieder super! Daumen hoch! And keep supporting Death Metal!!!

 

 

Von Paul Seilner



Party San Open Air 2015 - 7.-9.8.2015 - Schlotheim

 

Nachdem das letztjährige Party San unsere Premiere in Schlotheim darstellte, war klar, dass wir auch in diesem Jahr unser Zelt dort aufschlagen werden. Jedoch machten uns neben der Killerhitze (38 Grad an den ersten beiden Tagen!) dieses Jahr vor allem Idioten auf dem Camping- und Konzertgelände das Erlebnis etwas madig, doch kann dafür das Festival nichts. Zwar hat das Party San die besten Fans überhaupt, aber einige Vollpenner gib es halt leider überall.

Was allerdings auch in diesem Jahr über jeden Zweifel erhaben war, war die Bandauswahl und die Organisation! Daumen hoch dafür erneut! Hinzu kommt ein toller Sound bei nahezu jeder Band und eine unschlagbare Preispolitik (2,50 Euro für 0,4 Liter gezapftes Bier von unfassbar entspannten Jungs und Mädels)- so muss es sein! Zur Einzelkritik:

 

Donnerstag:

 

Da wir traditionell am ersten Konzerttag anreisen, waren wir anfangs nicht am Start, um die ersten Bands zu sehen, sondern noch mit Zeltaufbau/Bierbetankung beschäftigt. Daher startete der Donnerstag für uns mit Nuclear Assault: Oldscholl, rockig, genial! Die alten Hasen sind doch immernoch die Besten! :)

Secrets of the Moon hatte ich bis dato noch nie gesehen und war entsprechend gespannt. Jedoch konnten mich die Deutschen nicht überzeugen. Langweilig und langatmig!

Ganz anders Co-Headliner Primordial: Die Stimmung während des Gigs von Primordial schwankt zwischen Wut, Melancholie und Düsternis. Toll!!!

Düsternis ist auch das Stichwort beim Behemoth, die den ersten Tag headlinen.  Hart, viel tam tam, sehr gute Songs und Ernsthaftigkeit: Wie letztes Jahr Watain am ersten Tag des Party San, wissen auch Behemoth heute einmal mehr als einer der ernsthafteren und wichtigsten Vertreter des Black Metal zu gefallen. Der Tagessieg jedoch geht an Primordial!

 

Freitag:

 

Traditionell wird beim Party San mit Grindcore geweckt, der besten Musikrichtung überhaupt.:) Und so starten wir um 12 Uhr mittags bei über 30 Grad mit Cliteater. Die Holländer sind irre komisch, ihre Fans total bescheuert im positiven Sinn. Beim recht harten Geballer von Cliteater bildet sich schnell ein riesiger Pit, der im Kreis tanzt und dabei neben diversen Kostümen bewaffnet ist mit allerhand Utensilien: Es dominieren Klobürsten und Porree-Stangen! :D

Aufgrund der überstarken Hitze verlassen wir den Konzertbereich bis zum frühen Abend und sind (fast) pünktlich zu Fäulnis wieder da, die heute im Zelt spielen dürfen. Zwar kann man von Sänger Seuche (im weißen Feinripp und mit Pornobalken nebst Fokuhila-Frisur!) halten, was man mag, die Songs von Fäulnis sind rein musikalisch betrachtet ganz ganz stark! Das brechend volle Zelt quittiert das lautstark.

A propos ganz ganz stark: Asphyx sind alt geworden, aber kein Stück schlechter! Im Gegenteil: Die Band haut Hit auf Hit raus und die Menge tobt. Ultrageil!

Nick Holmes grunzt wieder. Nicht nur bei Paradise Lost (Headliner beim Party San 2016!), sondern auch bei Bloodbath. Die Songs gefallen mir persönlich nicht wirklich, aber die Stimme von Nick Holmes(im edlen Priestertalar) umso mehr. Sehr dominant und in dieser Form einer der besten Sänger in seinem Bereich!

Co-Headliner Ensiferum ist eine dieser Bands, denen man nicht böse sein kann. Mit viel Melodie und sehr viel guter Laune machen die verrückten Finnen ihr Ding. Das ist auch nicht schlecht, denn die Jungs haben enorm viel Ohrwurmpotential, aber das passt einfach nicht aufs Party San. Gut- mehr nicht!

Ganz anders als Cannibal Corpse! Die Amerikaner machen seit 30 Jahren das Gleiche, aber das ist immer wieder so gut und perfekt und auf einem technischen Niveau, dass man nur den Hut ziehen kann. Der Corpsegrinder ist gut gelaunt und gewohnt gut bei Stimme(wenn man das, was aus George Fishers Hals kommt, noch Stimme nennen will!:)). Dominanz pur!

 

Samstag:

 

Auch heute starten wir pünklich um 12 mit Grindcore. Diesmal aus Portugal, diesmal mit Holocausto Cannibal. Die Verrückten in Metzgeruniform sind heftig und extrem. So muss ein Tag auf dem Party San starten!

Hemdale dagegen sind der pure Schrott! Es gibt so viele bessere Bands, die gern auf dem Party San spielen würden- warum läd man Hemdale ein???

Nach einer Esspause und dem Zeltabbau wegen den nervigen Nachbarn, kommen wir rechtzeitig zu Toxic Holocaust(so viel Holocaust hier dieses Jahr...schade, dass Wehrmacht abgesagt hatten!:D) wieder und ziehen erneut den Hut vor Old School Death/Thrash-Metal! Mitreißend ist wohl das beste Wort, das die leicht punkig klingende Band und ihren heutigen Auftritt am Besten beschreibt! Daumen hoch!

Rotting Christ sind immer noch da und die Griechen sind immernoch gut. Mit ihrem ganz eigenen Sound und viel Sympathie schaffen sie es, dieMenge mitzureissen. Gut!

Ghost Brigade überraschen mich! Ich hatte von der Band bis dato nichts gewusst und so erscheinen Ghost Brigade als eine dieser Ausnahmebands, die jedes Jahr auf dem Party San spielen. Letztes Jahr waren es Katatonia, dieses Jahr sind es Ghost Brigade und My Dying Bride. Tolle, atmosphärische Songs und ein toller Sänger!

Kataklysm sind momentan das Maß der Dinge. Die ultrasympathischen Kanadier hauen einen Hit nach dem anderen raus. Leider sind Kataklysm mir heute etwas ZU routiniert, aber dennoch bombe insgesamt!

Mayhem waren auch mal eine wichtige Band. Die Skandal-Combo von einst existiert so natürlich nicht mehr, aber man hat heute auch so den Eindruck, dass man immernoch von dem Namen Mayhem zehrt. Ohne Sänger Attila, der alles gibt mit ganz großen Posen, würde Mayhem anno 2015 höchstens in Jugendclubs spielen. Langweilig!

Co-Headliner My Dying Bride haben das Problem, dass sie nicht so recht auf das Party San passen. Dementsprtechend verhalten sind die Zuschauer. Jedoch sind die Briten düster genug fürs Party San. Lange, epische Songs mit tollen Ohrwürmern und der charismatischen Stimme von Sänger Aaron ziehen in ihren ganz eigenen Bann! Traurig und einfach Toll!!!

Genauso wie Samael! Die Schweizer haben zwar kein richtiges Schlagzeug am Start, aber die Mischung aus modernem Metal und Industrial/Elektro-Metal ist schlicht genial! Ein toller, wenngleich kühler Abschluss des diesjährigen Festivals!

 

 

Von Paul Seilner



Böhse Onkelz - Böhse fürs Leben - 25.6.2015 - Hockenheimring

 

Nachdem ich beim großen Comeback der Onkelz 2014 schon dabei sein durfte, wollte ich mich überzeugen ob man an die Leistung anknüpfen kann. Und man kann! :D

 

Zwar ist die Veranstaltung, die unter dem Titel "Böhse fürs Leben" läuft, mittlerweile doppelt so groß wie im letzten Jahr (rund 400.000 Menschen kommen insgesamt an 4 Tagen!), doch ist die Stimmung im Vorfeld viel gelöster. In Extremo sind der einzige Support dieses Jahr und zeigen, dass sie in der Lage sind, eine solch große Menge im Griff zu haben. Daumen hoch für die Berliner, die live metallischer klingen als vermutet.

 

Die Onkelz kommen dieses Jahr ohne Ben Becker als Anheizer (Gott war das peinlich letztes Jahr!) und ohne Orchester aus- und das ist auch gut so! 3 Stunden und 15 Minuten Onkelz pur...der Wahnsinn geht vom ersten Moment an voll los und stoppt erst nach den (leider etwas zu) obligatorischen "Mexiko" und "Erinnerung" am Ende. 

 

Hinterfragt man die Onkelz 2015, so wird klar, dass es nur um Profite geht. Auch wenn Stephan Weidner auch während des Konzertes nicht müde wird, zu betonen, wie viel Spaß man am Musizieren vor den Massen hat, so wirken die Onkelz 2015 sehr weit weg von den Fans...mit einer Ausnahme: Pe! :) Der Drummer macht minutenlang Fotos mit den Fans und verbleibt ewig im Bühnengraben nach dem Konzert.

Seis drum- allein die gigantische Bühne und die tolle Location, gepaart mit der mega langen Spielzeit lassen den Ticketpreis winzig erscheinen...dazu kommt, dass der Sound dieses Jahr lauter und metallischer ist als im letzten Jahr. Es rockt einfach mehr diesmal! Die Onkelz bleiben- und sie haben noch lange nicht genug! Genau wie ihre Fans...

 

 

Von Paul Seilner



Fortarock Open Air 2015 - 6.6.2015 - Nijmegen/Holland

 

Zum dritten Mal in Folge waren wir jetzt zum Eintages-Festival nach Nimwegen(deutscher name der Stadt) und es hat sich wieder gelohnt! Die Veranstalter hatten im Vorfeld den Preis von 80 auf 49 Euro gesenkt, weil man nach eigenen Angaben außer Slipknot keinen hochkarätigen Act präsentieren konnte. Fair kann man da nur sagen...

 

Das Gelände wurde zwar etwas verkleinert, aber besser so, als wenn es sich verläuft. Und die sonst so gigantische Hauptbühne wurde durch eine weniger imposante ersetzt...das sind aber auch alle Kritikpunkte, die man am Fortarock 2015 haben kann. Doch nun zur Einzelkritik:

 

Godsmack spielen früh am Tag, sind aber die Sieger des Festivals! Toller, eingängiger Sound und Bombensongs! SO und nicht anders klingt moderner US-Metal!

 

Ich war nie Fan von Papa Roach und für mich gehören sie auch nicht auf ein Metal-Festival, aber das Engangement, dass die Jungs um Koby Dick hier auf die holländischen Bretter legen ist beeindruckend. Daumen hoch, auch wenn die Musik nie mein Ding sein wird.

 

Im Gegensatz zu Dying Fetus- die Amis zeigen wie Extremmetal aussehen und vor allem klingen muss!

 

Exodus sind cool und bleiben es auch...auch wenn die Jungs etwas in die Jahre kommen langsam. Aber allein für "Blacklist" lohnt das Konzert schon.

 

Lamb of God hatte ich vor fast 10 Jahren schon eimal gesehen. Und damals war ich mir sicher: Die Jungs werden einmal ganz groß! Und heute kann man das Ergebnis bewundern. Die Pause wegen der Gerichtsverhandlung von Sänger Randy Blythe hat der Band nicht geschadet. Druckvoll,hart, komromisslos groovend- Lamb of God zeigen, dass sie zu den ganz Großen gehören!

 

Im Gegensatz zu Converge...wasn Scheiß! :D

 

Epica zeigen, dass ihnen der Heimvorteil gut tut. Gesanglich und musikalisch mit Power und Herz, gefallen mir Epica heute viel besser, als vor einigen Monaten in Luxemburg auf der Tour.

 

Hatebreed zeigt auf Bühne 2, wie geil sie immernoch aufs Livespielen sind und Venom tun es ihnen nach auf Bühne 3! Zwei tolle Auftritte und doch wartet alles auf den Hauptact...

 

Und Slipknot sind heute ebenfalls stärker als auch der Tour! Auch wenn die Amerikaner nie mein Ding sein werden, zeigen sie mir heute, dass sie doch in der Lage sind, Stimmung zu machen...

 

Das Fortarock ist auch in der abgespeckten Version die Reise wert! Hoffen wir auf ein tolles Lineup 2016!

 

 

Von Paul Seilner



Slipknot - 2.2.2015 - Esch/Alzette (Lux)

 

Ich war nie wirklich ein Fan von Slipknot. Dennoch besitze ich diverse CDs der Band seit über 10 Jahren, die erste (Iowa) erwarb ich im Jahre 2002. Ich weiß noch, dass ich schon damals nicht verstand, wieso amerikanische MTV-Kids solch harte Musik hören(ein Phänomen, dass man auch bei Suicide Silence und-in Europa-bei Heaven Shall Burn beobachten kann). Das ist das Problem der neuen amerikanischen Metalszene allgemein-es ist weniger die Kommerzialisierung von Bands wie Slipknot oder Korn, vielmehr der dreist-gewollte Tabubruch, der Metaller in Europa nur schmunzeln lässt, mit nur einem wahren Ziel: Der Geldmacherei! Hierzu war anfangs auch Marilyn Manson zu zählen, jedoch hat Manson sich zu einem ernsthaften Künstler weiterentwickelt, abseits der Mainstream-Popkultur, Slipknot taten dies nicht! Mehr noch, von Album zu Album wurde der Härtegrad seichter, eine echte Aussage sucht man noch immer vergebens.

 

Dennoch wollte ich die seltene Gelegenheit nutzen, mich live eines Besseren belehren zu lassen. Der Ticketpreis war zwar abschreckend(rund 65 Euro!), jedoch erwartete ich dafür eine tolle Bühne mit allerhand Gadgets und eine lange Spielzeit. Und vielleicht sogar ein bisschen Seele...

Nachdem wir uns also an allerhand Deppen im Publikum vorbei gequetscht hatten(Basecap und Emofrisuren überall...wo sind die Headbanger?), bezogen wir Stellung im vorderen Drittel der immer wieder tollen Rockhal, die mit rund 6500 Mann schon seit Monaten ausverkauft war. King 810, eine Band, die von Slipknot selbst gepuscht wird, eröffnen den Abend. Musikalisch unausgereift, aber mit einem tollen Sänger wirken King noch nicht ganz reif für Bühnen dieser Größenordnung.

 

Nach erfreulich kurzer Umbaupause fällt der Vorhang(nach einem völlig misratenen Intro mit Gesang, der vom Band kommt!) und Slipknot feuern fast nur Hits raus aus allen Teilen der Bandgeschichte. Das neuste Album kommt dabei erfreulicherweise zu kurz. Feuerfontainen und die beiden Trommelschlümpfe links und rechts mit ihren überdimensionalen, dreh-und höhenverstellbaren Pauken wissen zu gefallen. Eine tolle Bühne zweifelsohne, aber was beibt darüber hinaus? Die Band macht stimmige Ansagen, Corey Taylor ist super bei Stimme und das Publikum geht gut mit. Wenn man sich Taylor und seine Mannen aber mal genauer ansieht, hinter die Masken schaut und dann noch einen Blick auf die Fans wirft, dann ist Slipknot nur noch eines: Eine Band aus Opfern für Opfer! Ein Paradebeispiel der langweiligen amerikanischen Mainstream-Metalszene, die einzig und allein auf Profit aus ist! Dazu passt auch die Spielzeit, denn Slipknot gehen bereits nach nichtmal anderthalb Stunden schon wieder von der Bühne. Das ist bei 65 Euro Eintritt(von den Tourshirts für 35(!)Euro haben wir eh die Finger gelassen-bekommt man bei EMP für nichtmal 20 Scheine!)einfach viel zu wenig...enttäuschend und das trotz eher geringer Erwartungshaltung!

 

 

Von Paul Seilner



Inquisition - 27.01.2015 - Esch/Alzette (Lux)

 

Bislang konnte ich Inquisition zweimal sehen, das erste mal als eine von mehreren Supportbands von Cradle of Filth/Behemoth und dann noch auf dem PartySan-Open Air 2014. Nun also endlich eine Headlinertour des ungewöhnlichen Black-Metal-Duos aus Kolumbien/USA. Blackdeath aus Russland eröffnen den dunklen Reigen und wissen durchaus zu gefallen. Nicht sonderlich einfallsreich und auch recht lustlos, aber zumindest musikalisch gute schwarzmetallische Kost aus einem Land, von dem man nicht mal wusste, dass es eine solche Szene besitzt. Der Sänger scheint allerdings einem Beduinenvolk angehören-anders kann man sich die eigentümliche Kopfbedeckung nicht erklären.

A propos eigentümlich: Ondskapt aus Schweden gehen engagierter zur Sache, jedoch ist auch hier der Sänger recht bizarr "geschmückt". Mit Kapuze und Knochenkette behangen(mein Nebenmann bemerkt scherzhaft:"Da haben aber einige Brathühner dran glauben müssen!")wirkt alles etwas zu sehr gewollt böse, aber dennoch musikalisch durchaus zu gebrauchen. Genau wie Archgoat aus Finnland. Der Dreier mit ultratiefem grindlastigen Gegurgel bewegt sich zwar kaum, aber der Dampfhammersound ist bombe.

 

Irgendwie werden es heute von Band zu Band immer weniger Musiker auf der Bühne! Mit Inquisition sind es nur noch zwei. Die jedoch hatten noch nie ein Problem damit, ein Duo zu sein. Und wieder ist man als Zuschauer erstaunt, wie sehr der Sound der (Wahl-)Amerikaner überzeugen kann. Fette Riffs, sphärische Klänge und ein Stahlgewitter von den Drums. Das alles in Kombination mit dem fast schon gemurmelten (Sprech-)Gesang von Dagon und den Ohrwürmern, die die Band heute Abend aufbietet, macht Inquisition zu einem der ernsthaftesten Vertreter des Black Metal unserer Zeit. Daumen hoch, auch wenn die Spielzeit des Headliners doch etwas kurz ausfiel.

 

 

Von Paul Seilner



Deicide - 2.12.14 - Trier

 

Svart Crown legen los wie die Feuerwehr und haben auch echte Knaller in der Setlist zu bieten. Eine echte Überraschung!

 

Deicide dagegen sind wenig überraschend, aber dafür umso dominanter. Ohne großes Headbanging zeigen die Amis, wo der Hammer hängt. Die genialen Songs wissen zu gefallen, die auf Streit ausgelegten Assis im Pit jedoch nicht. Schade, denn Bands wie Bolt Thrower oder auch die Cannibal Corpse haben die klar besseren Fans! Und schade auch, dass Deicide schon nach etwa 80 Minuten von der Bühne gehen. Dennoch ein tolles Konzert zum kleinen Preis. So muss es sein...keep supporting Death Metal!!!

 

 

Von Paul Seilner



Epica, Dragonforce - 20.11.14 - Esch/Alzette (Lux)

 

Dagoba eröffnen den Abend und sind mir persönlich viel zu "unrund". Klar, die Franzosen werden gefeiert als Quasi-Lokalmatadore(die französische Grenze ist nur einen Steinwurf entfernt!), jedoch ist der moderne Sound kein Garant für Hits- und an denen fehlt es Dagoba ganz klar.

 

Drangonforce dagegen waren zwar noch nie mein Ding, aber die Briten zeigen heute dennoch, dass man kein Fan von True Metal sein muss, um sie zu mögen. Das Posing stimmt, die Gitarristen sind über jeden Zweifel erhaben und wirklich jeder Song ist ein Ohrwurm. Daumen hoch!

 

Epica hatte ich noch nie gesehen bis dato. Dabei ist Metal mit Frauengesang schon immer ein Favorit für mich gewesen. Nightwish(damals noch mit Tarja), Within Temptation, Lacuna Coil- allesamt wussten live zu gefallen. Doch Epica können mich heute nicht vollends überzeugen. Dafür, dass es das erste Konzert der Tour ist, wirken die Jungs und das Mädel zu unengagiert an diesem Abend. Es scheint, als wäre das Touren für Epica eher lästige Pflicht, (wenn man von der Musik leben will), denn eine Herzensangelegenheit. Schade, denn Simone ist nach wie vor ein echter Blickfang und auch gut bei Stimme und auch die Jungs geben ein einheitliches Bild ab. Aber vielleicht ist genau das das Problem: Alles wirkt sehr routiniert und insgesamt zu versiert. Hinzu kommt, dass Epica einfach zu wenig echte Hits haben, die Langzeit-Überlebens-Charakter haben. Ok, jedoch nicht mehr.

 

 

Von Paul Seilner



Insomnium - 16.11.14 - Köln

 

Nachdem Ich Insomnium bisher nur auf Festivals(Withfullforce 2011) und als Support(Children of Bodom-Tour 2013) gesehen hatte, wo sie beide male überzeugen konnten, waren meine Erwartungen hoch bei deren erster Headlinertour.

 

Stamina, ebenfalls aus Finnland sind gut gelaunt, machen Spaß und v.a.Krach! Dem dankbaren Publikum gefällt's, mir nicht. Was aber größtenteils an dem Gesang liegt und an dem eher schwachen Songmaterial- sympathisch sind die Jungs allemal!

 

Fleshgod Apocalypse sorgen zunächst für Verwirrung: Ausgestattet mit Opernsängerin, Klavier und Sacko nebst Fliege sind die Bombast-Riffer der Blickfang des Abends. Man fragt sich "was soll das?" und wird mit der ersten Ansage sofort erlöst:"We are Fleshgod Apocalypse from Italy!"...achso! Na dann is das Brimborium auch völlig legitim!:D Die Songs knallen ordentlich, die Band ist hochmotiviert und das Material hat Hitcharakter. Den Operngesang brauche Ich persönlich bei der Musik nicht, dennoch die Überraschung des Abends.

 

Insomnium legen unspektakulär los. Und dieses Wort trifft das gesamte Konzert ganz gut. Die neuen Song sind teils zu seicht, teils zu viel clean gesungen und selbst die alten Hits kommen nicht ganz überzeugend rüber an diesem Abend. Die Atmosphäre ist gelöst und entspannt und so wirken Insomnium heute recht drucklos und etwas langweilig. Ein gutes Konzert zweifelsohne, jedoch nicht mehr!

 

 

Von Paul Seilner



Bolt Thrower - 1.11.14 - Saarbrücken

 

Nach langer Durststrecke sind die englischen Götter des groovenden Death Metal wieder auf Tour. Was wieder einmal von Anfang an auffällt, ist die Non-Commerce Einstellung der Briten. Angefangen beim Ticketpreis(19 Euro!), über Merchpreise(T-Shirt für 12 Euro!) bis hin zu der Tatsache, dass Bolt Thrower wieder einmal tolle Supportbands im Schlepptau haben...Sympathiepunkte ohne Ende.

 

Doch zunächst zu den anderen Bands: Vallenfyre eröffnen und wissen allein durch die Lautstärke erstmal zu beeindrucken. Auch wenn Konzerte in der Saarbrücker Garage meist recht laut sind- so wie es sich gehört- so ist der Pegel heute schlicht und ergreifend zu hoch! Selbst Ich als großer Fan richtig lauter Konzerte bin froh, Ohrstöpsel dabei zu haben. Ansonsten sind die Nordengländer nicht mein Fall. Roh, hart, aber nicht eingängig...Krach von der Basis eben. Ganz anders Morgoth: Die Deutschen stellen von Anfang an klar, dass die Elektro/Gothik- Ausflüge der Vergangenheit angehören und prügeln ein klasse Set auf die feiernde Masse, welches zuweilen an Obituary erinnert. Daumen hoch...auch für Bolt Thrower-nachdem sie 2007(Malevolent Creation!) und 2008(Kataklysm!) schon sehr starke Supports aufbieten konnten, enttäuschen Sie auch dieses Mal nicht in dieser Hinsicht!

 

Und auch nicht in irgendeiner anderen: Die Herren- und natürlich die Dame- treten von Anfang an als die Götter auf, die sie in der Szene sind! Ein Hit jagt den nächsten, kein einziger Rohrkrepierer ist dabei. Honigkuchenpferd Karl Willets(der einzig wahre Bolt Thrower Sänger!) hüpft und grinst über die Bühne, dass man einfach angesteckt wird von seiner positiven Art. Mit breitem Grinsen, ungewohnter Agilität und v.a.noch ungewohnterer toller Stimme reisst er die Menge mit und hat auch die letzten Reihen fest im Griff. Jeder weiß, dass Willets live meist ganz anders klingt als auf CD, jedoch ist dies heute nicht der Fall. Welch überraschende megatiefe Grunzer der alte Mann noch drauf hat- Wahnsinn! Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Old School Death Metal immernoch live den jungen Hüpfern die Grenzen aufzeigt und dass Bolt Thrower einfach die besten sind und bleiben. Punkt!

 

 

Von Paul Seilner



Party San Open Air - Schlotheim - 6.-9.8.2014

 

 

Nachdem Ich mehrfach gelesen hatte, dass das PartySan im thüringischen Schlotheim das entspannteste Festival überhaupt sein soll, war für mich klar, dass Ich als Freund der richtig harten Klänge dieses Jahr dort mein Zelt aufschlagen werde!:D Und alle Vorschusslorbeeren waren gerechtfertigt. Entspannte Menschen überall, das geilste Lineup überhaupt, toller Sound ein spitzen Konzert-und Zeltgelände, super Preise fürs Ticket (66 Euro),das Festivalshirt(15 Euro) und fürs Bier (2,50 Euro für 0,4l!)...das gefällt dem Todesmetaller!

 

Highlights neben den starken Headlinern (Watain, Marduk, Satyricon, Obituary, Kreator) waren ganz klar das Duo Inquisition und die Schwarzwälder Unlight! Hammerkonzerte an jedem der drei Festivaltage...dazu gutes Wetter und allerhand Gadgets wie Feuerfontainen und die allabendliche Flag und fertig is das perfekte Festival! Das Motto trifft ins Schwarze:"Hell is here!"!!!:D

 

 

Von Paul Seilner



Böhse Onkelz - Nichts ist für die Ewigkeit - Hockenheimring 20.06.2014

  

 

Nach knapp 10 Jahren Abstinenz geben die Onkelz ihr Comeback vor 100000 Menschen am Hockenheimring. Nachdem Ich die Onkelz zwischen 1996 und 2002 bereits sechs Mal live sehen konnte, waren meine Erwartungen entsprechend hoch...auch wenn Ich die Band seit Jahren eigentlich nicht mehr höre. Nichtsdestotrotz war die unter dem Titel "Nichts ist für die Ewigkeit" angekündigte Veranstaltung bereits bei ihrer Ankündigung das Konzertereignis des Jahrzehnts. Die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz und daher waren alle gespannt, wie sehr man den Jungs die lange Pause anmerken würde.

 

Nachdem Soulfly und die total unnötigen Limp Bizkit als Anheizer die meisten Onkelzfans ziemlich kalt gelassen haben, gings nach überraschend kreativ genutzter Umbaupase (Onkelzmädels zeigen ihre Hupen!) mit Vollgas los und siehe da - die Onkelz sind wieder da und es scheint, als hätten sie nichts verlernt. Kevin ist entgegen allen Befürchtungen sehr gut bei Stimme und das über die gesamten drei(!)Stunden Spielzeit, Stephan quatscht immernoch zu viel, Gonzo ist jetzt Cowboy und Pe hat Haare!:D Kritikpunkt ist die Songauswahl, die doch einige Rohrkrepierer hat und v.a.die lange Balladenphase lässt die Stimmung leider zu weit runtergehen im Mittelteil des Konzertes. Hier sind wir aber schon wieder beim Positiven, denn allein die hierfür genutzte kleine Bühne inmitten der Hunderttausend ist schön nah am Publikum. A propos Bühne: Die Onkelz haben Wort gehalten...noch nie hat man so eine fette Bühne gesehen! Die Boxentürme sehen aus wie Raketenabschussbasen, überall sind weitere Boxentürme und Leinwände, sodass man wirklich von überall etwas sieht. Dazu gibts noch einige Pyros und Feuersäulen, die die perfekte Show abrunden.

 

Die Onkelz sind wieder da...und sie bleiben! Auch wenn Ich persönlich v.a.die Assis im Publikum nicht mehr brauche, ist es schön dass das Feindbild Nr.1 wieder krach macht! Aber ab jetzt bitte ohne Ben Becker als Anheizer-was sollte die mega peinliche Vorstellung???:DD Und gerne öfter mit solchen Überraschungen in der Setlist wie "Koma" oder "Der Himmel kann warten"! Daumen hoch!

 

Von Paul Seilner